Medienstimmen

 


 

 


www.fuldainfo.de
30. Oktober 2016

Riccardo M Sahiti erhielt den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland


Riccardo M Sahiti (Zweiter von links) beim Empfang mit Bundespräsident Joachim Gauck.
Mit dabei seine Ehefrau Elisabet und Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats der Deutschen Sinti und Roma (rechts).
Foto: Björn Hadem


Facetten-Magazin Neukölln
08.04.2016

Festakt und Kundgebung zum Roma-Day: "Es ist Versöhnung, wenn die Menschen zivilisiert zusammenleben"


Dresden, Januar 2016

Requiem für Auschwitz, Dresden, Frauenkirche, 27.01.2016

  MDR-Sachsenspiegel (Video +.mp4)   
  Radio: MDR 1 und MDR-Figaro (Audio *.mp3)        evangelisch.de:  Roma Philharmoniker spielen Auschwitz-Requiem in Dresden

  Hommage an ein mißachtetes Volk. "Requiem für Auschwitz" erinnerte an den vergessenen Völkermord an Sinti und Romaideo, DNN 29.01.2016 



Prof. Dr. Peter Ackermann, HfMdK, Frankfurt am Main.
Zur Bedeutung der Musik der Sinti und Roma innerhalb der europäischen Musikkultur


Rhein-Neckar-Zeitung
10. April 2015
 

Heidelberger Frühling: Roma und Sinti Philharmoniker spielen gegen Vorurteile an.

Die Roma und Sinti Philharmoniker begeisterten an ihrem internationalen Gedenktag beim Heidelberger Frühling in der Stadthalle


Frankfurter Neue Presse
April 2015
 

Mit Temperament und Finesse
Die "Roma-und-Sinti-Philharmoniker" gaben in der Frankfurter Musikhochschule ein reichhaltiges Konzert


Frankfurter Allgemeine Zeitung
April 2015

Tanz und Tod
Konzert in der Hochschule


AZ
08. April 2015

Mehr drauf als Gypsy Swing
Sinti und Roma: Die Minderheit macht neuerdings selbstbewusst auf ihre kulturellen Leistungen aufmerksam. Und das nicht nur mit einem philharmonischen Orchester.


Allgemeine Zeitung Mainz
10. März 2015

Hintergrund: Sinti und Roma in der Region

Eine Minderheit, zwei Schicksale / Leben in einem feindseligen Umfeld / Von Ablehnung zum Völkermord


www.Opernnetz.de
22. Februar 2015

Europas leidenschaftlichster Kulturbotschafter

Vor
mehr als einem Jahrzehnt hat Riccardo M Sahiti die Roma und Sinti Philharmoniker gegründet. Das Projektorchester kämpft seitdem um Wahrnehmung und Förderung sowie eine institutionelle Basis für eine gesicherte Zukunft. Sahitis Mission ist eine doppelte. Er will einen Teil der Ursprünge europäischer Kultur neu bewusst machen und ein unüberhörbares Zeichen gegen Diskriminierung und Vernichtung von Minderheiten setzen.
(weiter...*.pdf)

(ein Beitrag von Ralf Siebmann)
http://www.opernnetz.de/seiten/news/Sahiti_Siepmann_150224.html


Wiesbadener Tagblatt
24. Januar 2015

Die Kraft eines Traums

(
ein Beitrag von Volker Milch)


Tag/Traum
Januar 2015

Dokumentarfilm:
Die Roma und Sinti Philharmoniker - Ein Dirigent und sein Traum
Es gibt viele Sinfonieorchester, aber weltweit kein einziges wie dieses: Alle Mitglieder sind Roma oder Sinti

arte Magazin


Das Orchester 5/2013

Von wegen Folklore
Seit zehn Jahren gibt es die Roma und Sinti Philharmoniker Frankfurt am Main, ein Projektorchester mit gut 60 Musikern

(
ein Beitrag von Christoph Blass)


Deutschlandfunk
03. September 2013

"Wir musizieren um aufzurütteln"
Wie die Roma-Philharmoniker ihrer Minderheit eine Stimme geben

(
ein Beitrag von Ronny Blaschke)


NZZ am Sonntag
07. April 2013

Aufstand der Stehgeiger
Ihre Kultur hat grosse Werke der klassischen Musik inspiriert. Doch als Musiker haben sie gegen viele Vorurteile zu kämpfen. Deshalb haben die Roma ihr eigenes Orchester gegründet. Von Ronny Blaschke



Frankfurter Rundschau
29. Januar 2013

Roma und Sinti Sinfonieorchester
Das Spiel seines Lebens
Riccardo Sahiti leitet ein Sinfonieorchester, das ausschließlich aus Sinti und Roma besteht.
Er musiziert für sein Publikum – und gegen Vorurteile. (*.pdf)


DW Mediacenter, Kultur 21
15. Dezember 2012

Trauer und Hoffnung. Requiem für Auschwitz
Kultur 21 - Der Klang des Schmerzes

(Beiträge in englisch und spanisch)


Frankfurter Allgemeine Zeitung
30. November 2012

Der vergessene Völkermord
Mit Musik kämpfen die Frankfurter Roma- und Sinti-Philharmoniker gegen ewige Vorurteile an. Und in einem "Requiem" gedenken sie der vielen NS-Opfer ihrer Minderheit. (*.pdf)


Frankfurter Allgemeine Zeitung
30. November 2012

Stimme der Versöhnung
Requiem für Auschwitz

Ein „Requiem für Auschwitz" zu komponieren ist ein gewaltiges Unterfangen. Vielleicht bedurfte es des Abstands von 67 Jahren, die seit Kriegsende vergangen sind, sich der größten Unmenschlichkeit musikalisch zu nähern. Adornos Diktum beschreibt das Hemmnis drastisch: „Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben ist barbarisch." Der niederländische Sinto-Musiker Roger Moreno Rathgeb, der das Notenlesen und -schreiben erst spät im Selbststudium erlernte, hat sich der kolossalen Aufgabe gestellt. Aber auch er stürzte während der Arbeit an seinem „Requiem für Auschwitz" in eine lange Schaffenskrise, als ihn beim Besuch des Vernichtungslagers die Vorstellung des Grauens überwältigte. Von großer Stärke zeugt es so, dass er das Werk 2009 schließlich doch vollendete - im Gedenken an die Ermordeten und als „Denkmal der Versöhnung".
Möglich wurde die Aufführung in der Alten Oper nun in Kooperation unter anderen des Philharmonischen Vereins der Sinti und Roma Frankfurt, der Stichting Alfa mit dem Dokumentationszentrum Deutscher Sinti und Roma sowie des Fördervereins Roma Frankfurt. Rathgebs Opus 4 in g-Moll war am 3. Mai in Amsterdam uraufgeführt worden. Mehrere Aufführungen folgten, so in Prag und Budapest, weitere in Krakau und Berlin sind geplant. In Frankfurt leitete Riccardo M Sahiti mit den Roma und Sinti Philharmonikern das Sinfonieorchester professioneller Sinti- und Roma-Musiker und den von Marek Vorlicek einstudierten Kühn Chor Prag. Dazu wurden auf Leinwänden private Bilder aus glücklichen Zeiten später wohl Ermordeter gezeigt.

Das Requiem begann mit kargen, nachdenklichen Klängen von Röhrenglocken und Pauken und ging bald in einfache Kadenzen und Wendungen der Orgel (Ieronim Buga) über, die Rathgeb oft exponiert und an Schnittstellen vermittelnd einsetzt: Das Instrument der christlichen Kirchen schien zu einer Stimme der Versöhnung zu werden. Formal hat Rathgeb die wesentlichen Teile der lateinischen Totenmesse so vertont, dass die Gesangssolisten und der Chor in meist kurzen Abschnitten alternieren oder gemeinsam singen. Es gibt also keine größeren Chorsätze oder Arien.
Die Instrumente stützen meistens die Singstimmen in parallelen Intervallen oder colla parte. Die Setzweise ist homophon, die Harmonik bewegt sich meist im dur-moll-tonalen Spektrum des 18. und 19. Jahrhunderts. Die Periodik wirkt klassisch-romantisch gegliedert. Die Instrumentation ist sparsam und maßvoll. Ein Tosen samt Blechbläsern im vollen Satz bleibt dem „Dies irae" vorbehalten, das, laut Programmheft, auch als eine „durch Verzweiflung getriebene Anklage an den Herrn" zu deuten sein soll. Insgesamt machte gerade die ungefilterte Ehrlichkeit der Komposition die Wirkung der etwa einstündigen Aufführung aus. Als Solisten fügten sich Irina Baiant (Sopran), Emanuela Pascu (Mezzosopran), Florian Costea (Tenor) und David Bubani (Bariton) in die werk-und aussagedienliche Darbietung. Vorangegangen waren der Satz „Ihr habt nun Traurigkeit" aus dem Deutschen Requiem von Brahms mit Irina Baiant und „Kol Nidrei" für Cello und Orchester op. 47 von Max Bruch mit dem Solisten Rodin Moldovan. GUIDO HOLZE


Frankfurter Rundschau
1./2. Dezember 2012

Glockenschläge für die Ermordeten
Das "Requiem für Auschwitz in der Alten Oper" (*.pdf)


Frankfurter Neue Presse
30.November 2012

Der Alptraum des Lagers

Die Roma- und Sinti-Philharmoniker führten ein "Requiem für Auschwitz" in der Alten Oper Frankfurt auf

Rund 500 000 Roma- und Sinti-Angehörige verloren in Auschwitz – zumeist im Lager Birkenau – ihr Leben. Das "Requiem für Auschwitz", das der niederländische Sinti-Komponist Roger Moreno Rathgeb zwischen 1998 und diesem Jahr komponiert hat, ist aber nicht nur ihnen sondern allen Auschwitz-Opfern gewidmet.

Das Werk für großen Chor, Orchester und vier Solisten fühlt sich beim ersten Hinhören konventionell, aber auch konsequent an. Über der Musik scheint eine bleierne Schwere zu liegen, ein Albdruck. So erscheint denn auch das "Dies irae" sehr zurückgenommen, introvertiert. Die zuweilen feierliche Atmosphäre im Gedenken an die Opfer wird durch den Einsatz der großen Saalorgel (Ieromin Buga) noch verstärkt. Irina Baiant (Sopran), Emanuela Pascu (Mezzosopran), Florian Costea (Tenor) und David Bubani (Bariton) hießen die Solisten, die insbesondere die zahlreichen Quartette – so im "Agnus Dei" – in eindrucksvoller Ausgewogenheit gestalteten. Begleitet wurde die Musik von großformatig eingeblendeten Fotografien in Auschwitz umgekommener Menschen, die sich in regelmäßigen Abständen wiederholten. So konnte der Zuhörer im Laufe des einstündigen Requiems fast ein Verhältnis zu jedem Einzelnen entwickeln.

Begonnen hatte das von Riccardo Sahiti geleitete Konzert mit einem konzentriert vorgetragenen "Ihr habt nun Traurigkeit" aus dem "Deutschen Requiem" von Johannes Brahms sowie "Kol Nidrei" von Max Bruch mit dem Cello-Solisten Rodin Moldovan. (Ge)


Süddeutsche Zeitung
27. November 2012

Musik gegen Klischees
Der „Frankfurter Philharmonische Verein der Sinti und Roma“ besteht aus 60 Musikern, die der ethnischen Minderheit angehören. Das Orchester zeigt bei seinen Auftritten, dass die Roma-Kultur absolut nichts mit „lustigem Zigeunerleben“ zu tun hat. (*.pdf)


Dokumentations- und Kulturzentrum
Deutscher Sinti und Roma

Höhepunkt: Visionen führen zum Erfolg
Dirigent mit musikalischer Vision (Newess 1/12, *.pdf)


Pressesammlung

Zigeunerweisen
Der Dirigent Riccardo M. Sahiti und die Roma und Sinti Philharmoniker erfüllen sich einen Traum
Sie gastieren mit zwei Programmen beim Beethovenfest. Eine Pressesammlung: (*.pdf)


Frankfurter Allgemeine Zeitung
Montag, 02. Mai 2011

Tickendes Uhrwerk
Konzert der Roma und Sinti Kammerphilharmoniker
Roma und Sinti Kammerphilharmoniker im Depot

Dass sich das Streichorchester der Roma und Sinti Kammerphilharmoniker aus hochkarätigen und zum größten Teil professionellen Musikern zusammensetzt, wurde beim Frankfurter Konzert zum zehnjährigen Jubiläum seines Trägervereins im Bockenheimer Depot gleich mit Witold Lutoslawskis Trauermusik "In memoriam Béla Bartók" deutlich. Das vielstimmige und dicht gewobene Werk erklang unter der Leitung von Riccardo M. Sahitiso (sic!)  expressiv und transparent.
Typische romantische "Zigeunermusik" war mit der Ballade für Violine und Streichorchester des Rumänen Ciprian Porumbescu (1853 bis 1883) zu hören, ganz getragen von den schmachtenden Melodien, die Marius Banica klangvoll zum Singen brachte. Zu einem Höhepunkt des Abends geriet unversehens das "Gran Duo Concertante" von Giovanni Bottesini: Der Witz des mit akrobatischen Sprüngen und quirligen Läufen aufwartenden Kontrabass-Parts, gespielt von Antal Rácz von der Wiener Staatsoper, kam in lebendiger Kommunikation' mit dem Violin-Solisten Julian Dedu bestens heraus.
Eine herbstliche Stimmung in gefälligem, von tonalen Bezugspunkten sicher nicht freiem Klang erzeugten die "Autumn Fields" der im Konzert anwesenden dänischen Komponistin Anna-Lena Laurin mit dem Solisten Béla Nagy. An das Ticken eines Uhrwerks erinnerte unterdessen das Streichorchester-Stück "Evening Of The Second Sunday" des 1976 geborenen Stanislav Rosenberg, der zur Uraufführung des Stücks ebenfalls erschienen war.
GUIDO HOLZE


Frankfurter Neue Presse
26. April 201
1

Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich

Von Matthias Gerhart
Eigentlich ist dies kein Anlass, um eine Trauermusik anzustimmen. Das Sinti-Orchester und sein seit vielen Jahren engagierter Leiter Riccardo Sahiti taten dies beim Jubliläumskonzert im Bockenheimer Depot gleichwohl: Die im Gedenken an Bela Bartok von Wotold Lutoslawski komponierte Trauermusik für Streichorchester führte die gediegene musikalische Substanz des Orchesters vor. Es musiziert in einer Ausgewogenheit und Transparenz, wie sie bei Laienorchestern dieser Art nicht selbstverständlich sind.

Zu dem Erfolg, das dieses Orchester seit Jahren in der Gunst der Zuhörer hat, gehört die sehr durchdachte Gestaltung des Repertoires. Statt sich an großen und populären Orchesterwerken zu verheben, greifen die Künstler eher in die Raritätenkiste – sehr zur Freude des Musikfreunds. Beim Jubiläumsabend war Giovanni Bottesinis "Gran Duo Concertante" so ein Treffer.

Der Solist Antal Racz musizierte auf seinem großen tiefen Streichinstrument mit jener herrlichen Selbstironie, die auch Bottesini, dem "Paganini des Kontrabasses", zu eigen war. Zu den Solisten des Abends gehörten zudem die drei Geiger Marius Banica, Julian Dedu und Bela Nagy sowie der Cellist Rodin Moldovan. Unter anderem in der sehr gefühlvollen "Ballade" des rumänischen Romantikers Ciprian Porumbescu gab es Gelegenheit zu einem wohlklingenden solistischen Einsatz.

Man darf sich schon auf die nächsten zehn Jahre mit diesem innovativen Klangkörper freuen, der im Frankfurter Musikleben mittlerweile einen festen Platz eingenommen hat.


Frankfurter Allgemeine Zeitung
Kultur/Samstag, 06. November 2010

E-Gitarre und singende Säge
Konzert der Roma und Sinti Kammerphilharmoniker

„Zwischen Himmel und Erde" bewegt sich die so betitelte Komposition für Streichorchester von Hartmut Jentzsch anfangs bei hohem Dissonanzgrad mit tonalen Versatzstücken oder polytonaler Schichtung in tänzerischen Rhythmen, dann aber immer reduktiver und ruhiger werdend. Die Roma und Sinti Kammerphilharmoniker brachten das ihnen gewidmete Stück des 1965 in Dresden geborenen Komponisten in dessen Anwesenheit beim Konzert in der Frankfurter Musikhochschule unter der Leitung von Riccardo M. Sahiti zur Uraufführung.
Damit zeigte das privat von einem Förderverein getragene Orchester seine ambitionierte Haltung und Offenheit: Es setzt sich für eine spezifische Traditionspflege ein, will aber auch „Künstler dazu anregen, Werke zu schaffen, die sich mit der Kultur der Roma und Sinti befassen", wie es im Programmheft hieß. Tänzerische und musikantische Elemente kennzeichneten so auch eine weitere Uraufführung: Die „Hommage à la Rhapsodie hongroise no. 2 de Franz Liszt" für Streichorchester, Harfe und Schlagzeug des 1976 geborenen Stanislav Rosenberg gestaltet das genannte virtuose Klavierstück teils mit grotesken Effekten der Instrumentation um, gegen Ende deftig-witzig verfremdet und bis ins Absurde gesteigert. Die Roma und Sinti Kammerphilharmoniker brachten das mit (ironischem) Pathos und heftigen Beschleunigungen und Verlangsamungen zu starker Wirkung.
Züge einer Persiflage bekamen die „Zigeunerweisen" op. 20 von Pablo de Sarasate in einer Bearbeitung für Streichorchester mit Solo-Cello statt -Violine. Denn der Solist Rodin Moldovan interpretierte seinen Part überaus wild und mit Klangfarben, die zwischen E-Gitarre und singender Säge changierten. Haydns Cellokonzert Nr. 1 C-Dur Hob. VIIb:l führte er mit ähnlichem Ansatz über die stilistische Grenze hinaus, eher bartókisch schroff, teils gequetscht im Ton, ungeachtet der klassischen Interpretation des Orchesters.
gui.


Frankfurter Neue Presse
06. November 2010


Zwischen Himmel und Erde ist Platz für einen Feuertanz
Die Kammerphilharmoniker der Roma und Sinti spielten in der Frankfurter Musikhochschule auf.

Schon seit seiner Gründung vor acht Jahren sorgt dieses Ensemble stets für positive Überraschungen. Die von dem umtriebigen Dirigenten Riccardo Sahiti geleiteten Kammerphilharmoniker verfügen über ein reichhaltiges Repertoire unter besonderer Betonung der Sinti- und Roma-Kultur. Und ständig kommen neue Werke hinzu, wie das jüngste Gastspiel zeigte.

So standen die Uraufführungen des Werks «Zwischen Himmel und Erde» von Hartmut Jentzsch sowie eine von Franz Liszts «zweiter ungarischer Rhapsodie» abgeleitete «Hommage» des 1976 geborenen Stanislav Rosenberg auf dem Programm. Freundschaftlich mit den Musikern verbunden ist aber auch der Komponist Kalman Cseki, dessen 2004 entstandener «Feuertanz» zu Beginn des Konzerts mit viel Stimmung und Esprit aufgeführt wurde. Zwischendurch zeigte sich der Cellist Rodin Moldovan als gefühlvoller Solist in Haydns Konzert C-Dur. Besonders die kraftvolle Intonation des aus Rumänien stammenden Musikers blieb im Gedächtnis des Zuhörers. Dazu passten die sehr geschlossen auftretenden Streicher vorzüglich.
Ge


Wiesbadener Kurier.
Kultur, 14. September 2009

Die Argerich glänzt, die G-Saite glüht

KONZERT Sinti- und Roma Kammerphilharmonie


Von Volker Milch

WIESBADEN.  „Der prophetische Stamm mit den glühenden Augen" (Baudelaire) war am Wochenende im hiesigen Musikleben sehr präsent, zunächst in Opern-Kunstfiguren: Bizets Zigeunerin Carmen in Mainz, Verdis Azucena in Wiesbaden. Und im Kurhaus gab es zeitgleich das erste Gastspiel der „Roma und Sinti Kammerphilharmoniker" mit der Pianistin Martha Argerich als Stargast.

Schirmherr Romani Rose

 Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, hatte die Schirmherrschaft übernommen und sprach in seiner Begrüßung von der „Musik als Brücke zur Mehrheitsgesellschaft". Ungarische Roma haben schließlich schon die Wiener Klassik beeinflusst. Musikfreunde denken da zum Beispiel an Joseph Haydns „Zigeunertrio". Wenn dessen letzter Satz, „Rondo all' ongarese", richtig gut gespielt wird, hört er sich wie eine Improvisation an, von der aus es gar nicht so weit ist zu Sarasates feurigen „Zigeunerweisen".
Ein weites Feld ist freilich die Diskussion, was authentische Roma-Musik ist, wo die Grenze verläuft zum Zigeuner-Klischee der Kunstmusik - und wo lediglich die Erwartungshaltung eines Publikums bedient wird, das exotische Musikanten goutiert, selbige als Mitbürger aber diskriminiert.
Der improvisatorische Anteil des langen, aber kurzweiligen Abends im Kurhaus war hoch, was ja auch irgendwie gut passte zur musikalischen Flexibilität, die vermeintliche „Zigeunermusik" mit ihren Synkopen, Beschleunigungen und Verzögerungen fordert. Zur Verzögerung im Programm führte erst einmal der Kampf mit einer Riesenschlange an der Abendkasse. Dann gab es eine Beethoven-Ouvertüre weniger und einen zusätzlichen Tripelkonzert-Satz. Auf jeden Fall reichlich Musik und viel Beifall, herzlich bis frenetisch.
Das Frankfurter Projektorchester, das nach der Vision seines engagierten Gründers und Leiters Riccardo M. Sahiti eine ständige Philharmonie werden soll, widmete sich zunächst mit kraftvollem Einsatz Beethovens „Coriolan"-Ouvertüre. Man hörte, dass (etwa im famosen Kontrabass) viele vorzügliche Musiker mitspielen. Man hörte in falschen Einsätzen aber auch, dass bis zur Philharmonie als fester Größe ein Weg zu beschreiten ist.
Für Beethovens F-Dur-Romanze fand der Geiger Geza Hosszu-Legocky noch nicht die nötige Ruhe und auch kein Ausdrucksspektrum jenseits intensiven Dauer-Vibratos. Von ganz anderem Kaliber war dann Robert Schumanns a-Moll-Sonate, die Hosszu-Legocky im fulminanten Zusammenspiel mit der nicht minder temperamentvollen Martha Argerich interpretierte: Die Romantik scheint eher das Terrain des Geigers zu sein, vor allem, wenn er die G-Saite dunkel glühen lässt.
Der Cellist Rodin Moldovan machte Bruchs „Kol Nidrei" zu einem Höhepunkt des Abends, und die Stimmung heizte Hosszu-Legocky mit seinem Cymbal-Ensemble „The 5 DeVils" heftig an, bevor Sarasates „Zigeunerweisen" unter Sahitis Leitung das Konzert krönten.



Wiesbadener Kurier,
Online-Ausgabe, 05. September 2009

Martha Argerich als Stargast

KONZERT "Roma und Sinti-Kammerphilharmoniker" kommen am 12. 9. ins Kurhaus

Das Plakat vor dem Kurhaus ist unübersehbar und wird bei Musikfreunden einiges Interesse erregen: "Die Roma und Sinti Kammerphilharmoniker" treten unter der Leitung von Riccardo M. Sahiti am 12. September im Thiersch-Saal auf.

Junger Geiger

Ein Konzert des 2002 in Frankfurt gegründeten Klangkörpers an sich mag schon ungewöhnlich sein. Wirklich Aufsehen erregend aber ist der Gast-Star des vom "Philharmonischen Verein der Sinti und Roma" veranstalteten Abends: Die Pianistin Martha Argerich, keine alltägliche Erscheinung auf dem Konzertpodium, wird mit dem 23 Jahre jungen Geiger Geza Housszu-Legocky Robert Schumanns a-Moll-Sonate interpretieren.

Überhaupt wird eine aparte Werkfolge angekündigt, in der bunten Mischung an Konzertprogramme vergangener Zeiten erinnernd: nach einem sinfonischen Beethoven-Block die Schumann-Sonate und "Schindlers Liste" von John Williams, Bruchs "Kol Nidrei", Pablo de Sarasates "Romanza Andaluza" und schließlich "traditionelle Roma-Musik" mit dem Ensemble "The 5 DeVils".

Verantwortlich für den Abend unter der Schirmherrschaft von Romani Rose vom Zentralrat Deutscher Sinti und Roma ist der Dirigent Riccardo M. Sahiti, den man im Kurhaus auch dabei antreffen kann, wie er höchstpersönlich mit Handzetteln Werbung für das Konzert macht. Natürlich freut er sich, wie er im Gespräch sagt, über die Unterstützung durch Martha Argerich, die wie alle Solisten des Abends unentgeltlich auftrete, um dem Orchester zu helfen. Die Pianistin kenne und schätze viele Roma-Musiker, betont Sahiti. Mit Geza Housszu-Legocky hat sie die Schumann-Sonate bereits eingespielt, und das temperamentvolle Ensemble "The 5 DeVils" hat schon bei ihrem Festival "Progetto Argerich" in Lugano das Publikum begeistert. Im Wiesbadener Programm nun sieht Sahiti deutsche, jüdische und Roma-Kultur "sehr verbunden" und verweist auf die Bedeutung so genannter "Zigeunermusik" für Komponisten wie Joseph Haydn, Schumann oder Brahms. Er selbst, Jahrgang 1961, bezeichnet sich als Rom, der in der einst jugoslawischen Stadt Kosovska Mitrovica aufgewachsen ist und dort mit seiner großen Familie "sehr gut und integriert" gelebt habe: "Das war das Paradies".

Jugend in Jugoslawien

Klassische Musik, die er durch das Radio kennengelernt hat, faszinierte ihn früh. Mit neun Jahren bekam Sahiti Klavierstunden, ging an die Musikschule in Pristina und mit 18 schließlich zum Dirigierstudium nach Belgrad. Nach seinem Abschluss 1990 erweiterte er sein Spektrum auch am Moskauer Tschaikowsky-Konservatorium und kam 1992 nach Frankfurt, wo er bei der Gründung seines Orchesters "unglaubliche" Unterstützung von der Stadt, vielen Institutionen und Persönlichkeiten wie dem Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik erfahren habe. Nicht zuletzt "Weltstar" Roby Lakatos kam mit seinem Ensemble, um dem Orchester zu helfen.

Unter den rund 55 "Kammerphilharmonikern", die sich immer projektbezogen zu Probenphasen treffen, finden sich Musiker aus Holland, Rumänien, Österreich und natürlich Deutschland. Sogar die Wiener Philharmoniker seien vertreten, erzählt Sahiti, der vom Ausbau der "Kammerphilharmoniker" zu einem großen philharmonischen Orchester träumt. "60 bis 70 Prozent" seiner Musiker seien Roma und Sinti. Als primäres Ziel des Klangkörpers sieht Sahiti, jene Werke aufzuführen, "die in der Kultur der Roma und Sinti verwurzelt sind". Auch neue Kompositionen möchte er mit seiner Arbeit anregen.

05.09.2009 - WIESBADEN
Volker Milch


Frankfurter Rundschau
Online-Ausgabe, 11. August 2009

Im Porträt

Mit dem Taktsrock zu seinen Wurzeln

Von Astrid Ludwig

Es war dieser Tag in Pristina, der sein weiteres Leben bestimmt hat. Mit 17 Jahren sah er dort einen Dirigenten und sein Orchester bei einem Konzert. Der schwarze Frack und dieser kleine weiße Taktstab, der mal sanft, mal zackig die Luft durchschnitt, das beeindruckte ihn sehr. Seit diesem Tag stand für den Jungen fest: Er würde auch mal Dirigent werden. Riccardo M. Sahiti verfügt über die seltene Gabe des fotografischen Gedächtnisses. Jede Bewegung speicherte er ab und daheim wiederholte er alles, was er gesehen hatte.

Das war vor 30 Jahren. Heute hat sich Sahitis Traum zumindest zu großen Teilen erfüllt: Er ist Dirigent und er gibt den Takt für ein Musiker-Ensemble vor. Ein ganz besonderes Orchester. Der Frankfurter und gebürtige Kosovo-Serbe ist Leiter der "Roma und Sinti Kammerphilharmoniker". 55 Musiker aus ganz Europa finden sich dort für Konzerte zusammen. Sie spielen Beethoven, Bruch oder Schumann, traditionelle Roma-Musik, aber auch "Schindlers Liste" von John Williams. Alles, was mit der Kultur und Musik der Sinti und Roma verwoben ist.

Sahiti ist selbst Roma. 2002 gründete er das Ensemble, das deutschland- und europaweit auftritt. Rund 20 Konzerte waren es seither - im Bockenheimer Depot Frankfurt, in der Darmstädter Orangerie, im Palais Prinz Carl in Heidelberg oder auch zur Eröffnung des Kultursommers Mittelhessen im Kloster Engelthal. Als nächster Termin steht Mitte September das Kurhaus in Wiesbaden auf dem Spielplan.

In seiner Wohnung in Frankfurt hängen Ankündigungsplakate der vergangenen Konzerte. Die Regale biegen sich unter dem Gewicht einer klassischen Plattensammlung. Don Giovanni, Figaros Hochzeit stehen neben Notenblättern und Fotoaufnahmen von Herbert von Karajan, seinem großen Vorbild. "Beethoven, Haydn, Bizet oder Pablo de Sarasate - viele Komponisten haben sich mit der Musik der Sinti und Roma befasst", erzählt der 47-Jährige. "Carmen" von Bizet etwa handelt über das Leben der Roma. Auch jüdische Kleszmerkompostionen, sagt er, haben Wurzeln in der Musik seines Volkes.

Sahiti will mit seinem Orchester die alten Traditionen bewahren und gleichzeitig junge Sinti und Roma zu neuen Werken animieren. "Die Menschen sollen unsere Musik live erleben". Ein "Zigeuner-Musiker", betont er, ist er nicht. "Ich bin ein Musiker, der die Klassik liebt."

Die Idee für das Orchester kam ihm in den 90er Jahren. Bei Konzerten in Europa traf er immer wieder auch Musiker aus seinem Kulturkreis. Den Ausschlag gab ein Konzert im KZ Ausschwitz, wo er einen polnischen Komponisten traf, der Lieder in der Romasprache geschrieben hatte. Sahiti nahm Kontakt auf zu Romani Rose vom deutschen Zentralrat der Sinti und Roma, fand Unterstützung bei Micha Brumlik, Ex-Direktor des Fritz-Bauer-Institutes in Frankfurt. Gemeinsam gründeten sie einen Förderverein als Grundlage für das Orchester. "Das erste Konzert", erinnert sich Sahiti, "war am 3. November 2002 in Dr. Hoch´s Konservatorium". Ein ausverkauftes Konzert, strahlt er. Mit 20 Streichern begann das Orchester. Heute hat es fast dreimal so viele Mitglieder, darunter auch Holz- und Blechbläser.

Riccardo M Sahiti hat seinen Traum vom Dirigenten verwirklicht, aber ein wenig schwingt auch Enttäuschung mit, wenn er von seiner Laufbahn als Musiker erzählt. Mit der Familie musste er als Serbe aus dem Kosovo fliehen. Alles haben sie verloren, Haus und Hof. In Belgrad schloss er dann sein Dirigentenstudium ab, eine Anstellung fand er aber nicht - weil er Roma war, vermutet er. In Moskau, am Tschaikowsky-Konservatorium, bekam er ein Stipendium. Vier Jahre blieb er dort. 1992 folgte er seiner Zwillingsschwester nach Frankfurt und vertiefte sein Studium an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst. Wieder schrieb er anschließend vergeblich Bewerbungen. "Ich habe immer geglaubt, Kunst und Begabung zählen und dann erst die Nationalität", sagt er.

Seine Energie gilt heute seinen Kammerphilharmonikern. Und einem neuen Ziel: Sahiti würde gerne eine Sinti- und Roma Philharmonie, ein ganz großes Ensemble, daraus machen - "mit eigenem Haus und eigenen Tourneen".

Konzert im Kurhaus Wiesbaden, 12. September, 20 Uhr. www.foerdervereinroma.de, Tel: 069/281556


Frankfurter Allgemeine Zeitung
Kultur / Montag, 27. Oktober 2008

Herbstliches Programm

Uraufführung im Depot

Anders als der sachliche Titel vermuten ließe; klingt die zweisätzige „Normalmusik für vier Stimmen" („Normalna Muzika u Cetiri Glasa") des 1941 geborenen Belgrader Musikhochschulprofessors Stanko Sepi
ć in neoromantischem Ton sehr gefühlsbetont und elegisch. Bei der Uraufführung im siebten Konzert des „Roma und Sinti Streichorchesters" unter der Leitung von Riccardo Sahiti, für das die Oper Frankfurt wieder das Bockenheimer Depot zur Verfügung stellte, fügte sich das als Auftakt gut zum insgesamt nachdenklich­ernsten herbstlichen Programm. Im homogenen und intonatorisch sauberen Vortrag des 2002 gegründeten, vom „Philharmonischen Verein der Sinti", und Roma Frankfurt" getragenen Streichorchesters schlössen sich so die „Canzonetta" op. 62a Und mit klangvoll gespielten Soli „Rakastava" op. 14 von Jean Sibelius nahtlos an.
Wie eng sich dessen finnisch-nordische Gefühlswelt mit einer italienischen Elegie verband, erstaunte: Puccinis Quartettsatz „Crisantemi" bekam dazwischen ähnliches Sentiment. In Pablo de Sarasates „Zigeunerweisen" op. 20 für Solovioline und Orchester, ebenfalls für Streichorchester bearbeitet, betonten Sahiti und der ausgezeichnete Solist Geza Hosszu-Legocky im ersten Teil in bewusst langsam gewähltem Tempo die melancholischen Züge. Das musikantisch Ausgelassene kam am Ende aber nicht zu kurz, ebenso wenig wie - mit dem Orchester allein - in den kurzen, bearbeiteten „Rumänischen Volkstänzen" von Béla Bartók. Einen Höhepunkt des Abends setzte der erst 22 Jahre alte, weltweit mit Musikern wie Martha Argerich, Gidon Kremer und den Brüdern Capucon sowie renommierten Orchestern konzertierende Solist, der sich als gebürtiger Roma gewinnen ließ, schon zuvor: mit Ravels Konzert-Rhapsodie „Tzigane" in vollem, expressivem Ton, vom Streichorchester flexibel begleitet.
gui.


Frankfurter Neue Presse
24. Oktober 2008
 

Farbige Normalmusik

Das Streichorchester der Roma und Sinti konzertierte im Bockenheimer Depot.

Ein nuancenreiches Programm mit folkloristischer Einfärbung präsentierte das Streichorchester, das zu Recht mehr und mehr Selbstbewusstsein im Frankfurter Musikleben entwickelt. Zunächst stand die Uraufführung eines Werks des zeitgenössischen Kroaten Stanko Sepic auf dem Programm. Die knapp viertelstündige „Normalmusik für vier Stimmen" hat zwar einen recht nüchternen Titel, zeichnet sich aber durch satte Streicherklangfarben aus. Das von Riccardo M. Sahiti souverän geleitete Orchester verfügte über einen dicht angelegten Apparat, der auch in Sibelius' introvertierter „Canzonetta" zuverlässig zur Stelle war.
Der aus der Schweiz stammende Roma-Musiker Geza Hosszu-Legocky war als Solo-Violinist in Ravels Konzert-Rhapsodie „Tzigane" sowie bei Sarasates „Zigeunerweisen" nach der Pause engagiert zur Stelle. Besonders die Zigeunerweisen erhielten aus der Hand dieses Solisten einen besonderen Charakter. In diesem Sinne erschienen auch die sieben kompakten „Rumänischen Volkstänze" Bartóks, die in der kraftvollen Interpretation des Orchesters aus einem Guss hervortraten.
Zwischendurch hatte das Publikum Gelegenheit, Puccini in einem ungewöhnlichen Licht zu erleben - die Orchesterfassung seines Streichquartetts „Chysantemi" zeigte erneut Dichte und Geschlossenheit der Roma-Streicher, denen der Applaus sicher war.


Wetterauer Zeitung
06. Oktober 2008
 

»Zum Teufel mit den Vorurteilen«

Abschluss der interkulturellen Woche: Roma und Sinti Streichorchester begeistert in der Dankeskirche

Bad Nauheim. Zum Teufel: Wenn Zimbal-Virtuose Costel Ursulet und Kontrabassist Zoly Kekeny ihren berauschten Rhythmus vorgeben, hat Marius Banica leichtes Spiel. Als Teufelsgeiger fliegt seine linke Hand - vom eigenen Sinti-und-Roma-Sound beseelt - übers Griffbrett, schießt sirrende Flageoletts unters Kuppeldach und wirft beherzt Pizzicato-Pixel ins begeisterte Publikum. Die Einlage des Banica-Trios mit Roma-Musik aus Rumänien war beim Konzert des Frankfurter Roma und Sinti Streichorchesters in der Dankeskirche am Sonntagabend ein Höhepunkt unter vielen.
Unter der Leitung von Riccardo Sahiti spielte das 20-köpfige Ensemble als Abschluss der interkulturellen Woche des Wetteraukreises. »Das ist heute Abend eine Premiere für uns«, sagte der Dirigent im Gespräch mit unserer Zeitung. »Wir sind bislang noch nie in einer Kirche aufgetreten« Dass aus seinem reinen Streichorchester einmal ein großer Klangkörper mit Bläsern und Schlagwerk werde, ist Sahitis großer Traum. »Aber er wird wohl erst in einigen Jahren in Erfüllung gehen.«
Bis dahin hat das 2001 gegründete Ensemble noch viel Zeit, Zigeunermusik im Streichergewand zu interpretieren. Zum Beispiel die »Zigeunerweisen« von Pablo de Sarasate für Violine und Orchester. Julian Dedu erfüllte den Solo-Part mit Verve und Virtuosität, das Orchester erklang unter Sahitis stringenter Führung dicht und homogen.
Das galt auch für StankoSepics »Erinnerung«. Per schwermütigem Moll schlich sich das einsätzige Andante zum Konzertauftakt in den lichten Raum, um sofort in Bann zu ziehen. Der Untertitel »Eine Erinnerung an den Krieg« erklärte die Wahl der Tonart, das Orchester brachte die Spannung sofort auf den Punkt und hielt sie bis zum Ende.
Auch eigens für sie Komponiertes hatten die Musiker des Roma und Sinti Streichorchesters im Gepäck: In seinem kleinen Werk mit dem Titel »Falling Dance« präsentiert der Budapester Kálmán Cseki eine spannungsreiche Tonsprache, die vor allem von den drei Celli und dem Kontrabass überzeugend eingefangen wurde.
Nicht nur Tango-Tänzer hatten an Astor Piazzollas »Die vier Jahreszeiten in Buenos Aires« ihr Vergnügen. Auch wenn, das Orchester mit Cristian Goldberg an der Solo-Violine aus Zeitgründen nur den »Frühling« - mit einer Reminiszenz Vivaldi - und den »Winter« offerierte, erwuchs die Bearbeitung von Leonid Desyatnikov nicht zuletzt wegen ihrer starken Rhythmik zu einem vehementen musikalischen Ausrufezeichen. Bélá Bartóks »Rumänische Volkstänze« türmten sich, zart beginnend und dann immer rasanter werdend, zu einem meisterlichen Schluss. Ohne Zugabe durfte das Orchester nicht von der Bühne.
Moderator Wolfgang Dittrich, derzeit noch Leiter des Fachdienstes Migration beim Wetteraukreis, hatte in seiner Ankündigung nicht zu viel versprochen, als er betonte, das Ensemble werde mit seiner Musik einer Diskriminierung von Sinti und Roma entgegenwirken.
Zustimmung erteilte in seinem Grußwort der Schirmherr der interkulturellen Woche, Kreisbeigeordneter Ottmar Lich: »Die Musik des Roma und Sinti Streichorchesters verbindet verschiedene Kulturen miteinander. Ich freue mich auf diese Art der Missionierung.« Oder, wie es die Solo-Geiger auf ihre Art und Weise zum Ausdruck brachten: »Zum Teufel mit den' Vorurteilen!«
Manfred Merz
 

      


Frankfurter Neue Presse

Vom Peppigen zum Elegischen

Roma und Sinti Streichorchester in der Musikhochschule

Beim sechsten Jahreskonzert des Philharmonischen Vereins der Sinti und Roma war die Atmosphäre diesmal besonders locker und freundlich. Mit ihrer temperamentvollen Spielweise und traditioneller Roma-Musik aus Rumänien zogen Violinist Marius Banica und sein Ensemble das große und gemischte Publikum im Foyer der Frankfurter Musikhochschule unmittelbar in ihren Bann. Banica, der am Salzburger Mozarteum eine klassische Ausbildung erhielt, improvisierte zusammen mit Costel Ursulet (Zimbal), Aurel Budisteanu (Akkordeon) und Zoly Kekeny (Kontrabass) auf Basis der Tradition sehr lebendig und zeitgemäß, mitunter sogar mit leichtem Jazz- oder Pop-Einschlag. Gemeinsam mit der Sängerin Elena Ion sorgten sie für einen unterhaltsamen Beginn des dreigeteilten Abends, den Läszlö Vadäsz (Zimbal) und sein Quintett mit Roma-Musik aus Ungarn stilecht beendeten.
Den Mittelteil im Großen Saal gestaltete das Roma und Sinti Streichorchester unter der Leitung Riccardo M. Sahitis mit klassischer Musik. Ein nachdenklich vorgetragenes Andante des 1941 im kroatischen Rijeka geborenen Dirigenten und Komponisten Stanko Sepie, das den Untertitel „Eine Erinnerung an den Krieg" trägt, ließ an Samuel Barbers „Adagio for Strings" denken. Auch Kälmän Csekis „Falling Dance" verbreitete eine elegische, herbstliche Stimmung - mit finaler Wende ins Peppige. Für Sarasates „Zigeunerweisen" op. 20 in einer Streicherbearbeitung verfügte das gut vorbereitete Laienorchester in Bela Nagy über den passenden Solisten, der den Violinpart gefühlsbetont und mit werkgerechtem Vibrato umsetzte.
gui


Frankfurter Neue Presse
08. November 2007
 

Melancholie und Wehmut

Das Streichorchester der Sinti und Roma konzertierte in der Frankfurter Musikhochschule.

Zigeunermusik inspirierte von jeher die Komponisten, man denke an Brahms’ Zigeunerlieder, Liszts Ungarische Rhapsodien oder die Werke von Dvorák. Sie enthalten viel von den mitreißenden, aber auch melancholischen und wehmütigen Klängen der Weiten Ungarns und Rumäniens. Der Philharmonische Verein der Sinti und Roma zeigte nun bei einem Kulturtag in der Musikhochschule die vielen Nuancen dieser Musik. Ob es nun um traditionelle Musik aus Rumänien ging, die für kleines Ensemble mit Zimbal, Violine, Akkordeon, Bass und Gesang ausgelegt wurde (wunderbar lebendig musizierte Marius Banica und sein rumänisches Ensemble), oder um Musik für Streichorchester, die beim Orchester der Sinti und Roma in authentischen Händen lag. Kraftvoll und konzentriert wirkte das von Riccardo Sahiti energisch geleitete Ensemble etwa bei Pablo de Sarasates „Zigeunerweisen“ mit dem Violinsolisten Béla Nagy. Auch Bartóks kurze „Rumänische Volkstänze“ erschienen als ein gewichtiges folkloristisches Extrakt. Die Musik der Sinti und Roma hat aber auch eine Gegenwart. Der Jugoslawe Stanko Sepic beispielsweise schuf eine sehr introvertierte „Erinnerung an den Krieg“ und der Ungar Kálmán Cséki mit „Falling Dance“ nuancenreiche, von großer Musikalität geprägte Klänge. Roma-Musik aus Ungarn (diesmal mit Klarinette) beschloss den aufschlussreichen Abend.
(Ge)


hr2 Kultur – die Musik der Welt aktuell
01. November 2007


Sie hören hr2 Kultur – die Musik der Welt aktuell.
Am Mikrofon: Martin Kersten

L'Alouette
Roma und Sinti Streichorchester Frankfurt

Das ist das Roma und Sinti Streichorchester aus Frankfurt. Seit etwa vier fünf Jahren wächst und gedeiht dieses Ensemble, wir hören hier gerade einen Ausschnitt aus dem Gründungskonzert von 2002. Am kommenden Dienstag, das ist der 6. November, tritt unter anderem dieses Orchester unter der Leitung von Riccardo M. Sahiti wieder auf und diesmal schon in einem richtig großen, offiziellen Rahmen: Geplant ist nämlich erstmals in Kooperation mit der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst ein ganzer Musik- und Kulturtag der Sinti und Roma.
Das Ganze beginnt schon morgens um 10 mit einem Symposium. Da wird es dann Vorträge und Diskussionen geben über die spezifische Musikkultur der Roma und Sinti, jeder Interessierte kann da rein schauen, der Eintritt ist frei.
Das vielleicht wichtigste Instrument dieser Musik, die Geige, steht dann am Nachmittag im Zentrum eines Workshops, der ebenfalls allen offen steht – Geige spielen sollte man denke ich schon können.
Und am Abend dann, das große Konzert mit dem Roma und Sinti Streichorchester und vor allem dem einschlägigen klassischen Repertoire wie zum Beispiel den Zigeunerweisen von Pablo de Sarasate oder Bartoks Rumänischen Volkstänzen.
Für uns interessant ist noch, dass davor und danach, jeweils im Foyer der Frankfurter Musikhochschule, traditionelle Roma-Musik aus Ungarn bzw. Rumänien zu hören sein wird und zwar mit den Ensembles von Laszlo Vadasz und von Marius Banica. Und von ihm, dem rumänischen Roma-Geiger Marius Banica hören wir zur Einstimmung auf diesen ersten Roma und Sinti Musik- und Kulturtag in Frankfurt jetzt noch was:

Copza Luca/ Marius Banica & Orchestre
Marin Ioan (CD “Gadjo dilo”)

Der Geiger Marius Banica mit einer gefühlvollen traditionellen Zigeunerweise.
Banica wird also unter anderem auch beim Roma und Sinti Kulturtag kommenden Dienstag in der Frankfurter Musikhochschule dabei sein.
Und damit sind wir ja schon mitten bei den Veranstaltungshinweisen für den Monat November. ..... (usw. usw.)


Frankfurter Allgemeine Zeitung
Kultur / Mittwoch, 6. Dezember 2006
 

Erforscher des Erbes

Das Roma und Sinti Streichorchester im Bockenheimer Depot

Weg vom Klischee des wilden Teufelsgeigers hin zum musikalischen Erbe der Sinti und Roma - das wollten etwa 20 Profimusiker, als sie vor fünf Jahren einen gemeinnützigen Verein gründeten, der inzwischen von zahlreichen Sponsoren getragen wird und gern weitere Träger willkommen heißt: Seither hat sich das Roma und Sinti Streichorchester unter seinem Dirigenten Riccardo M. Sahiti mit jährlich einem Konzertprogramm in Frankfurt etabliert - und das mit regem Zuspruch. Auch das Jubiläumskonzert im Bockenheimer Depot war ausverkauft und das Publikum begeistert.
Auf dem Programm stand diesmal die Uraufführung des Stücks "Falling Dance" des ungarischen Roma-Komponisten Kálmán Csèki, ein sehr gefälliges Schmankerl mit elegischen Melodien und Csárdás-Rhythmen in "Zigeuner-Moll": Hier wird sozusagen das musikalische Erbe Osteuropas entschlüsselt. Der Russe Rodion Konstantinowitsch Schtschedrin wiederum spielt in seiner 1967 uraufgeführten "Carmen-Suite nach Georges Bizet" mehr mit dem spanischen Erbe der "Gitanos": Flamenco-Kastagnetten, Habanera, Torero-Marsch und die romantischen Intermezzi werden abgelöst von Bolero-Rhythmen, die Schtschedrin sich kurzerhand aus Bizets Arlésienne-Suite ausgeborgt hat.
Das Ganze wurde im Bockenheimer Depot effektvoll begleitet von fünf agilen Schlagzeugern der Frankfurter Musikhochschule, die sich zwischen allerlei - auch exotischem - Instrumentarium hin und her bewegten, den schlanken, rhythmisch nicht immer koordinierten Orchesterklang allerdings auch teilweise zudeckten. Dazu umdrehten und umgarnten sich eine Tänzerin und ein Tänzer in einer Art heißblütiger Sevillana.
Höhepunkt des Konzerts aber waren die "Cuatro estaciones portenas" des argentinischen Tango-Nuevo-Schöpfers Astor Piazzolla, der sich in seinen zwischen 1965 und 1970 entstandenen "Vier Jahreszeiten" formal wiederum am barocken Erbgut orientiert, Vivaldi zwischendurch auch immer wieder humorig zitiert. Kein "Teufelsgeiger" stand hier im Mittelpunkt, sondern ein Solist mit Eleganz im Rhythmus und brillantem Ton: der ungarische Geiger Béla Nagy, derzeit Konzertmeister des Faiolini Kammerorchesters der Ungarischen Staatsoper in Budapest. Inspirierend musikantisch auch der Cellist Viktor Plumettaz, der in seinem Solo im vierten Satz "Winter in Buenos Aires" für wohlig warme Temperaturen sorgte.

URSULA BÖHMER


Frankfurter Rundschau
Freitag, 1. Dezember 2006, Nr. 280
 

Kühnheit und Kulinarik

Das Roma-und-Sinti-Streichorchester musiziert auf den Punkt

von Stefan Michalzik

Das Roma-und-Sinti-Streichorchester, das vor vier Jahren im Philanthropin sein erstes Konzert gab, hat sich selbst den Auftrag gegeben, das landläufige Bild von der "Zigeunermusik" als schwerblütiges Musikantentum mit Stehgeiger zu revidieren. Es will vor allem Werke zeitgenössischer Komponisten verbreiten, die selbst Roma und Sinti sind, oder Werke, in denen sich Spuren dieser Kultur finden, die sich vor rund 600 Jahren vom Stammland, dem an der heutigen indischpakistanischen Grenze gelegenen Rajasthan aus, vor allem auf dem Balkan verbreitet hat.
Sonderlich häufig tritt das unter der Leitung von Riccardo M, Sahiti stehende Orchester, aus dem einmal eine Philharmonie, also ein vollständiger sinfonischer Klangkörper, entstehen soll, nicht öffentlich in Erscheinung. Das Konzert nun im ausverkauften Bockenheimer Depot war erst das fünfte. Abstimmungsprobleme scheint man hier gleichwohl nicht zu kennen: Von der ersten Minute an wurde auf den Punkt musiziert.
Die Konzertdramaturgie ging auf Nummer Sicher: Erst einmal die Uraufführung eines Zeitgenossen, zur Pause hin präsentierte sich der Solist mit süffigem Material. In der zweiten Hälfte schließlich Populäres - allerdings in ungewohnter Gestalt.
Das Orchesterstück Falling Dance des 1962 in Ungarn geborenen Kálmán Csèki greift den Csárdás auf und stellt ihn in einen kunstmusikalischen Zusammenhang zwischen Neoromantik und -impressionismus. Derlei wirkt naturgemäß wie hundert Jahre zu spät gekommen. Eines klanglichen Reizes entbehrt es indes nicht.
Von Astor Piazzolla, dem großen Neuerer des Tangos, folgte der Zyklus Die vier Jahreszelten in Buenos Aires in einer Bearbeitung für Violine und Streichorchester, die der russische Komponist Leonid Desyatnikov ursprünglich für Gidon Kremer und die Kremerata Baltica geschrieben hatte. Die radikale, mit harmonischen Kühnheiten gespickte Modernität Piazzollas kommt in dieser Fassung eindrücklich zur Geltung. Der von der Ungarischen Staatsoper kommende Geiger Béla Nagy vermochte den vier Concerti in fein abgestimmter Koordination mit dem Orchester Schärfe und Klarheit zu geben, ohne die Furiosität im Übermaß herauszustellen.

Mit Kesselpaukendramatik

Dem russischen Klangsetzer Rodion Schtschedrin, Jahrgang 1932, ist es mit seiner Ballettsuite nach Bizets Carmen (die er für seine Frau, die Ballerina Maja Plissetskaja geschrieben hat) gelungen, eine bemerkenswerte Perspektive auf diesen Klassikhit zu erschließen. Die Anverwandiung für Streichorchester und Schlagzeug - es spielten Studenten der hiesigen Hochschule - kostet den melodischen Schmelz und die rhythmische Delikatesse der Bizet'schen Musik genussvoll und mit aller Kesselpauken-Dramatik aus. Zugleich sorgen die konzertierenden Schlagwerker für ein modernes Klangbild. Die Carmen scheint derart Strawinsky momentweise näher zu stehen als ihrem tatsächlichen Urheber.
So kamen denn in dem Konzert des - unter Sahitis straffer Führung auf ein außerordentliches Maß an Klangsinnlichkeit eingestimmten - Orchesters leicht bekömmliche Kulinarik und ein auch anderen Ansprüchen genügendes Material glückhaft überein:

http://foerdervereinroma.de


Frankfurter Rundschau
Dienstag, 28. November 2006, Nr. 277
Nördliche Stadtteile
 

Weil Sahitis Begeisterung ansteckend ist

Das Roma und Sinti Streichorchester soll ein fest bezahltes Ensemble werden / Fünftes Konzert

Seit vier Jahren ist das Roma und Sinti Streichorchester in Frankfurt beheimatet. Auch sein fünftes Konzert am morgigen Mittwoch verspricht eine professionelle Begegnung mit Temperament und Kultur der Roma.

Frankfurt
Nach einem halben Jahrzehnt hat Riccardo Sahiti von seiner Begeisterung für das Roma und Sinti Streichorchester. nichts eingebüßt. Wer ihm genau zuhört, merkt bald: Sein Enthusiasmus rührt nicht nur daher, dass der 45-jährige das Orchester vor vier Jahren selbst als Dirigent aus der Taufe gehoben hat und immer noch leitet. Seine Vision, die musikalische Kultur seiner Herkunft in alle Welt zu tragen, ist in jedem Satz spürbar, in dem er die Orchesterarbeit beschreibt. Sein Enthusiasmus am musikalischen Auftrag überträgt sich auf die Orchestermitglieder. Sie sind zum großen Teil selbst Roma und kommen für das aktuelle Konzertprojekt aus allen Teilen Deutschlands angereist. "Die Musiker fühlen sich bei uns wie eine große Familie", behauptet Sahiti und nimmt gern in Kauf, dass während der Probenphase bis zu sieben Orchestermusiker in seiner Wohnung übernachten. Beim ersten Konzert im November 2002 floss noch keine Gage für die Spieler. Mittlerweile hat sich die finanzielle Basis der außergewöhnlichen Orchesterarbeit dank öffentlicher Förderung verbreitert. Doch der Weg zu Sahitis Traumziel ist noch weit: Er möchte das Ensemble so weit in das Bewusstsein des Kulturbetriebes bringen, dass aus dem zurzeit 35-köpfigen Projektorchester ein ständiges Ensemble mit fest bezahlten Musikern wird. Die Zwischenbilanz nach vier Jahren Aufbauarbeit kann sich sehen lassen: Das 5. Konzert des Roma und Sinti Streichorchester am morgigen Mittwoch, 29. November, findet ab 20 Uhr im Bockenheimer Depot statt. Dabei erklingt Astor Piazzollas "Vier Jahreszeiten in Buenos Aires" für Violine und Streichorchester, dessen Solo in der Hand des Berufsgeigers Béla Nagy liegt.
Mit dem "Falling Dance" ist eine Uraufführung aus der Feder von Kálmán Csèki zu hören, einem Roma, der dem Orchester seit Jahren verbunden ist. Tanzeinlagen sind schließlich zu Rodion Schtschedrins "Carmen-Suite" zu erleben.         BJH

Internet: www.foerdervereinroma.de


Frankfurter Allgemeine Zeitung
Kultur / Freitag, 13. November 2005
 

Den Ohren schmeicheln

Das Roma und Sinti Streichorchester

Die Zwillingsbrüder Aaron und Jerôme Weiss setzten als Solisten die Höhepunkte des Abends mit dem Roma und Sinti Streichorchester unter der Leitung von Riccardo M. Sahiti im Bockenheimer Depot. Bachs Konzert für zwei Cembali und Streicher c-Moll BWV 1060 spielten die 1987 geborenen Nachwuchspianisten sehr präsent, untereinander fein abgestimmt, kleine Crescendi einfügend, traditionsbewußt und zuverlässig. Jerôme Weiss war auch der Solist in der „Musik für Klavier und Streichorchester" des 1941 in Kroatien geborenen Stanko Sepic, einem ohrenschmeichelnden Stück mit Klassik-Radio- oder amerikanischem Filmmusik-Einschlag, in dem der Klavierpart dominierte.
Allein gestaltete Jerôme Weiss die Ungarische Rhapsodie Nr. 12 cis-Moll von Franz Liszt kraft- und temperamentvoll. An Liszt wiederum erinnerte eine Eigenkomposition seines Bruders, die Aaron selbst vorstellte: ein Impromptu in f-Moll, das in seiner pianistischen Dichte aber auch der Klangwelt Rachmaninows nicht fernstand.
Das Ziel des 2002 gegründeten und vom Philharmonischen Verein der Sinti und Roma getragenen Ensembles, insbesondere „Werke auf zuführen, die in der Kultur der Sinti und Roma verwurzelt sind", wurde diesmal nicht deutlich erkennbar. Vier kleine Tanzstücke und sechs ungarische Volkslieder von Bela Bartök in einer Bearbeitung für Streicher von Gabor Darvas waren gleichwohl eine gute Wahl, in der schlichten, lyrisch-sanften Wiedergabe ansprechend.
gui.



Frankfurter Allgemeine Zeitung
Kultur / Montag, 02. Mai 2005
 

Kneipe und Konzertsaal

Das Budapest Festival Orchestra in der Alten Oper

Daß Franz Liszt die Musik seiner Ungarischen Rhapsodien und seiner "Fantasie über ungarische Volksmelodien" möglicherweise für authentisch gehalten hat, ist keineswegs auszuschließen. Daß aber die originär ungarische Musik sich davon deutlich unterscheidet, haben die mit wissenschaftlichem Anspruch Volksmusik sammelnden und kategorisierenden Komponisten-Forscher Bartók und Kodály bewiesen. Spannende musikalische Prozesse enthält dieses stilüberlappende Grenzgebiet zwischen einer spezifischen Musik der Sinti und Roma einerseits, den Bartókschen Feldforschungen anderseits und einer beide Stile adaptierenden Sinfonik zentraleuropäischer Prägung fraglos dennoch. Dabei erweist sich, daß die von den Sinti und Roma konservierte Verbunkos-Musik, die Liszt gut kannte, wesentlich jüngeren Datums ist als die von Bartók notierte Bauernmusik. In Frankfurt kümmert sich ein von dem Dirigenten Riccardo Sahiti geleiteter "Philharmonischer Verein der Sinti und Roma" seit drei Jahren erfolgreich um derart interessante Fragen der Musikgeschichte.

In der Alten Oper hat jetzt auch das fabelhafte Budapest Festival Orchestra sich äußerst sinnreich dieser Thematik gewidmet. Chefdirigent Iván Fischer, der dieses Konzert im ausverkauften Großen Saal der Alten Oper auch moderierte, vermochte durch unmittelbare Gegenüberstellung nicht nur die drei sich berührenden Kultursphären miteinander in Beziehung zu setzen, sondern auch die der zunächst unvereinbar scheinenden Kneipen-Tanzmusik mit der Konzertsaal-Kunstmusik. Besonders eindringlich erscheint dieser Aspekt, wenn zwei so grundverschiedene Musiker wie der Geiger József "Csócsi" Lendvay und sein das gleiche Instrument auf völlig andere Weise spielende Sohn József Lendvay (Jahrgang 1974) miteinander musizieren. Der Sohn: ein durch Meisterkurse Menuhins geschulter Virtuose von internationalem Renommee, der - wie an diesem Abend - Sarasates "Zigeunerweisen" Op.20 form- und klangvollendet zu interpretieren weiß. Der Vater: Konzertmeister des Budapest Gypsy Orchestra, Vertreter mithin einer völlig anderen Klang- und Interpretationskultur, was sich auf die Spielweise des Instruments natürlich ungemein deutlich auswirkt. Dennoch vermögen beide mühelos zu einer künstlerischen Verständigung zu finden. Wie verschieden diese musikalischen Welten andererseits sein können, verdeutlichte Dirigent Fischer immer wieder auch dadurch, daß er in mehrere Ungarische Tänze (Nr.15,1,11 und 7) von Johannes Brahms und in die Ungarische Rhapsodie Nr.3. von Liszt in fließendem Übergang auch die Interpretationen der Volksmusiker einfließen ließ, zu denen mit zentralen Aufgaben auch der Zimbal-Spieler Oszkár Ökrös zählte.

Das Budapest Festival Orchestra, das hin und wieder auch einmal solch erhellende Grenzgänge wagt, ist im "normalen" Konzertbetrieb ein Klangkörper, dessen außerordentliche Aufführungsqualität international zum Markenzeichen geworden ist. Darauf hat man auch bei diesem Auftritt in der Alten Oper keineswegs verzichten müssen, denn Fischer und seine Musiker boten nicht nur die Tänze und Rhapsodien mit aller Sorgfalt der Klangexegese dar, sondern überraschten nach der Pause mit einer ungemein wirkungsvollen, am Ende mit Ovationen überschütteten Interpretation der Sinfonie Nr.1 c-Moll Op.68 von Brahms. Wieder einmal bewährte Fischer sich dabei als Klangästhet höchsten Ranges, von der außerordentlichen, immer wieder bewundernswerten Orchesterdisziplin gar nicht zu reden. Brahms' Ungarischer Tanz No.7. war eine erste Zugabe, bevor es mit zünftiger Volksmusik samt Bühnentänzchen noch einmal kräftig zur Sache ging.

Harald Budweg


Frankfurter Allgemeine Zeitung
Kultur / Freitag, 12. November 2004
 

Von Klassik bis Kasatschok

Roma und Sinti Streichorchester

Mit enormem musikantischem Elan und unbändiger Spielfreude riß das „Marius und Nicu Turcitu & Romania Ensemble" die Zuhörer im Clara-Schumann-Saal von Dr. Hoch's Konservatorium zu Begeisterungsstürmen hin. Die vier temperamentvollen Musiker gestalteten den mittleren Programmteil beim Konzert des Philharmonischen Vereins der Sinti und Roma Frankfurt mit Roma-Musik sowie klassischen und folkloristischen Sätzen entsprechender Prägung, von Csardas-Tanzsätzen nach Franz Lehár bis hin zu Stücken mit spanischem oder jazzigem Einschlag, abgestimmt in raffinierten Arrangements, improvisatorisch frei und authentisch wirkend. Ins Bild paßten auch ein adaptierter Kasatschok oder als Zugabe der wilde „Säbeltanz" von Aram Chatschaturjan.
Den Konzertrahmen gestaltete das „Roma und Sinti Streichorchester", aus dem die „Roma und Sinti Philharmoniker" hervorgehen sollen, mit ihrem künstlerischen Leiter Riccardo M. Sahiti unter anderem mit sieben mit Wärme und Kolorit vorgetragenen Rumänischen Volkstänzen von Béla Bartók in einer Bearbeitung für Streichorchester sowie einer Suite für Streichorchester von Leoš Janaček.
gui.



Frankfurter Allgemeine Zeitung
Kultur / Freitag, 11. Juni 2004
 

Musik der Sinti und Roma

Konzert im Gallus-Theater

Der Philharmonische Verein der Sinti und Roma organisiert seit etwas mehr als drei Jahren Konzerte mit dem Ziel, die musikalischen Traditionen dieses Volkes zu pflegen und bekannt zu machen. Das jüngste Konzert, im Frankfurter Gallus Theater, wurde im wesentlichen von der charismatischen Sängerin und Tänzerin Katjusha Kozubek und ihrem Ensemble bestritten. Mit einem Timbre in ihrer Stimme, das in kehligen Tiefen wie lyrischen Höhen bezaubert, und mit virtuosem Temperament lud sie das Publikum mit den Energien ihrer Musik auf und brachte den Saal zum Toben. Mit ihren Zwischentexten gelang es Kozubk, Aspekte in der Kultur der Sinti und Roma zu artikulieren, mit der sie die heimische Kultur bereichern sollten.

Eingebettet in die Schmankerl meist osteuropäischer Herkunft war die "Suite for String Quartet and Piano" von Reggi Jonas aus Budapest, der selbst den Klavierpart in dieser Zwitterform zwischen Komposition und Improvisation übernahm. Das weitgehend folkloristisch anmutende Werk hat eine rhapsodische Grundform, die Jonas und auch der Primarius Miklos Balogh virtuos ausfüllten, während den mehr untermalenden Streichern nur wenig Engagement für diese Musik anzumerken war. ter.


Frankfurter Neue Presse
Seite 18 / Donnerstag, 23. Oktober 2003
 

Ein Orchester mit vielen Zielen
 
Frankfurt
. Probenvorbereitungen im Clara-Schumann-Saal von Dr. Hoch's Konservatorium: Gabriele Worsischek poliert das weiße Gummi ihres Geigenstockes, Ladislav Cinzek fährt mit einem schwarzen Tuch über die Saiten seines Cellos, Radovan Krstic enthüllt seinen Kontrabass. Bis Riccardo M. Sahiti, Dirigent des Roma und Sinti Streichorchesters, vor seinem Pult auftaucht. Der zierliche Mann mit der leisen Stimme und dem vollen, pechschwarzen Haar legt keine großen Gesten an den Tag. Sein Ton ist freundlich und er bedient ganz und gar nicht das Klischee des exzentrischen Dirigenten. "Er ist ein Freund", sagt Kontrabassist Radovan Krstic über Riccardo M. Sahiti, dessen wichtigster Lehrmeister der Belgrader Dirigent Stanco Sepic war.

Auf die Idee, ein Orchester dieser Art zu gründen, kam der im ehemals jugoslawischen Mitrovica geborene Sahiti während seiner langjährigen Tätigkeit als Gastdirigent internationaler Orchester. "Ich bemerkte einfach, dass in ihren Reihen oft auch Roma-Musiker saßen!" Zudem sammelte er Erfahrungen als Gastdirigent des Budapester Roma Orchesters. Sein persönliches Anliegen ist es, "vom klassischen Stehgeiger-Klischee wegzukommen", zu zeigen, dass Sinti und Roma auch große symphonische Werke interpretieren können.

Das Streichorchester ist eine von vielen Ideen und Initiativen, mit denen der im Mai 2001 gegründete Philharmonische Verein der Sinti und Roma, deren 1. Vorsitzender Sahiti ist, das musikalische Erbe der Sinti und Roma pflegen will. Die Pläne sind ehrgeizig: Von zusätzlichen Ensembles ist die Rede, von einem Chor, von der Förderung des Musikernachwuchses. Das Sinti- und-Roma-Streichorchester selbst soll sich zum großen philharmonischen Orchester mausern.

Zum Gründungskonzert des Streichorchesters unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeisterin Petra Roth luden die Musiker im November 2002 ein, das zweite Konzert folgte im Mai dieses Jahres. Die Gründung des Orchesters sieht der Kontrabassist Krstic als Erfüllung eines "Traumes, den Sinti und Roma Jahrhunderte lang gehabt haben". Ein drittes Kammerorchester-Konzert inklusive Bläserbesetzung ist am 30. November geplant. Doch ob es stattfinden wird, ist fraglich. "Wir brauchen 27 000 Euro", sagt Riccardo M. Sahiti. Geplant ist auch ein Auftritt in Heidelberg. Aber: Es fehlen die Sponsoren. Zwar wird das Orchester vom Amt für Wissenschaft und Kunst sowie dem Amt für Multikulturelle Angelegenheiten bezuschusst, doch schon die An- und Abreise der Musiker zu den Proben kostet viel Geld.

Das Interesse der Frankfurter ist groß, die bisherigen Konzerte waren ausverkauft. Aber verdient hätten weder die Streicher noch er selbst, sagt Sahiti. Idealismus und Begeisterung für die Musik der Sinti und Roma einen die Profimusiker, die übrigens keineswegs alle dem Sinti- und Romakreis angehören. Die Frankfurterin Gabriele Worsischek, Mitgründerin des Papageno-Musiktheaters und Geigerin der Kammeroper und des Johann-Strauss-Orchesters ist "halbe Tschechin", hat "die ungarische Folklore mit der Muttermilch aufgesogen". Es sei "das Ursprüngliche, das Gefühlvolle der Musik von Sinti und Roma", das sie so sehr berühre. Auch die im gemeinsamen Konzert gespielte Musik ist keineswegs ausschließlich Musik der Sinti und Roma.

"Wir haben eine Regel", sagt Riccardo M. Sahiti, "es gibt pro Konzert mindestens ein Sinti- und Roma-Stück." So ist zu erklären, dass die Zuhörer beim zweiten Konzert neben Werken von Szakcsi Lakatos und Jakov Gotovac auch Jean Sibelius Romanze in C Op. 42 für Streichorchester, den ein oder anderen Evergreen und Bela Bartoks Rumänische Volkstänze geboten bekamen.

Dass sich sein Streichorchester im Frankfurter - und auch im bundesweiten - Kulturleben etablieren wird, glaubt Sahiti ganz fest. An Konzertprojekt-Ideen mangelt es nicht. Der große Wunsch des Dirigenten: Er möchte Sponsoren und weitere prominente Fürsprecher an Land ziehen, damit die Liste der ideellen Unterstützer, darunter der Vorsitzende des Zentralrates der deutschen Sinti und Roma, Romani Rose, und Micha Brumlik, der Direktor des Fritz-Bauer-Instituts, weiter wächst.


Frankfurter Allgemeine Zeitung
Seite 45 / Mittwoch, 21. Mai 2003, Nr. 117
Kultur

Tänze und Improvisationen
Roma und Sinti Streichorchester im Clara-Schumann-Saal des Hoch'schen Konservatoriums

Schon beim ersten Konzert des Roma und Sinti Streichorchesters strömten zahlreiche Familien mit ganz jungen und ein wenig älteren Musikfreunden in den Clara-Schümann-Saal des Hoch'schen Konservatoriums, um Musik überwiegend aus Ungarn zu hören. Auch die zweite, am selben Ort vom Philharmonischen Verein der Sinti und Roma Frankfurt veranstaltete Soiree fand wieder regen Zuspruch.

Nachdem anfangs in der Piccola musica di concerto (1961) von Ferenc Farkas (1905 bis 2000) noch eine leichte Steifigkeit im Spiel herauszuhören war, wirkten die Musikerinnen und Musiker im "Marcia Finale" der Serenade für Streichorchester op. 11 von Dag Wiren (1905 von 1986) wie befreit und sehr engagiert. Anschließend gab es zwei musikalische Leckerbissen zu verkosten, die von den Jazzmusikern Szakcsi Lakatos (Klavier) und Tony Lakatos (Saxophon) zubereitet wurden. In seinem Klavier-Solo mischte Szakcsi Lakatos mit exzellenter Fingerfertigkeit und farbigem Anschlag den ersten Satz aus dem Bremen-Konzert von Keith Jarrett, Claude Debussys "Doctor Gradus ad Parnassum" aus "Children's Corner" und lyrische Klänge aus dem Moment heraus zu einem swingenden Potpourri.
Für das Roma und Sinti Streichorchester hatte er ein Concertino für Saxophon, Klavier und Streichorchester (2003) komponiert, das an diesem Abend uraufgeführt wurde. Der Dirigent Riccardo M Sahiti führte mit genauem Taktschlag durch die für manche Musiker ungewohnte Partitur, die mit leicht melancholischen Klängen an die einschmeichelnde Musik von Michel Legrand erinnerte.
Schließlich fanden sich alle Ausführenden in einer ausgedehnten Fantasie über "Embraceable you" von George Gershwin zusammen. Im. zweitem Konzertteil boten beide Jazzmeister in dem Duett "Memory of Django" nochmals großartig improvisierten Jazz. Dem Andante aus der Romanze C-Dur op.42 von Jean Sibelius, bei dem sich die Streicher in jeder Hinsicht als ausdrucksvolle Interpreten erwiesen, folgten noch mehrere Tänze yon Jakov Gotovac und Béla Bartók.
Christian Ekowski


Rundfunk:

Samstag, 09.11.02, 15.15h Musikszene Hessen in hr2 und hr-klassik
Sonntag,  10.11.02,  13.04h Blickpunkt Musik in SR2-KulturRadio

Ein weiterer Beitrag im Abendprogramm von DeutschlandRadio Berlin innerhalb von "Musik heute"



Frankfurter Allgemeine Zeitung
Seite 48 / Mittwoch, 6. November 2002, Nr. 258
Kultur

Reiche Musikkultur
Gründungskonzert des Roma und Sinti Streichorchesters

Viele Musikfreunde waren bereit, im überfüllten Clara-Schumann-Saal des Hoch'schen Konservatoriums auch auf einem Stehplatz das Gründungskonzert des "Roma und Sinti Streichorchesters" mitzuverfolgen. Mit seinem ersten Konzert wurde ein wichtiger Punkt des im vorigen Jahr gegründeten Philharmonischen Vereins der Sinti und Roma Frankfurt am Main erfüllt, der unter anderem die Gründung eines Streichorchesters zum Ziel hat. Außerdem ist die Bildung verschiedener Ensembles von Sinti- und Roma-Musikerinnen und -Musikern, die Gründung eines Sinti- und Roma-Chors, die Förderung des musikalischen Nachwuchses oder die Aufführung von Werken vergessener Musiker aus dem Kulturkreis der Sinti und Roma geplant.

Für den Posten des Künstlerischen Leiters und Dirigenten des Streichorchesters konnte Riccardo Sahiti gewonnen worden, der mit starkem Engagement seine 20 Musiker innerhalb kurzer Zeit zu einem stets warmklingenden und ausdrucksvollen Klangkörper formen konnte. Gemäß dem Ziel des Orchesters, Kompositionen der Sinti und Roma vorzutragen und Komponisten anzuregen, neue Werke zu schaffen, die in ihrer Kultur verwurzelt sind, stand am Beginn des unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeisterin Petra Roth stehende Konzerts "Erinnerung" für Streichorchester (1999). von Stanko Sepic, das in gesetzten Klängen an das tragische Schicksal der Sinti und Roma während der nationalsozialistischen Herrschaft gemahnte. Daß die Musik der Sinti und Roma nicht nur durch Franz Liszt und Johannes Brahms vertreten wird oder der Stehgeigerunterhaltung und Operette vorbehalten ist, war aus romantisch-schwelgerischen Serenade für Streichorchester Nr. 3 e-Moll op. 21 von Robert Fuchs (1847-1927) herauszuhören. Besonders dem feurigen "Finale alla Zingarese" widmeten sich die Musiker mit hinreißendem Elan. Mit ihrer technisch sicheren und. musikalisch eminent temperamentvollen Ausführung des "Divertimentos nach alten ungarischen Tänzen für Streichorchester" 'Nr. '1 op. 20 (1923) von Leo Weiner (1885-1960) hatte das junge Streichorchester seine erste Reifeprüfung mit Bravour bestanden.
Als Gast trat das - wie stets - mitreißende Roby Lakatos Ensemble auf. Nicht nur in der Sinfonie "The Bird in The Dust" des 35 Jahre alten Spitzengeigers, zu der ihn zudem das Streicherensemble begleitete, vor allem aber in dem nur vom Ensemble vorgetragenem Walzer aus dem Film "Madame Bovery" (1949) von Miklos Rozsa (1907-1995), der sich deutlich an Maurice Ravels "La Valse" anlehnt, begeisterte der einzigartige Roma-Musiker durch seine überragende Technik und geistreiche Improvisationen. Der jubelnde Beifall galt allen Musikern und der reichen, lebendigen Musikkultur der Sinti und Roma.
Christian Ekowski


Frankfurter Rundschau
Seite 27 / Samstag, 2.November 2002, Nr. 255
Frankfurt

Schluss mit dem Bild vom Stehgeiger
Professionelle Roma- und Sinti-Musiker gründen ein Streichorchester / Erstes öffentliches Konzert im Philanthropin

Von Canan Topçu

"Subito piano nicht vergessen", "tutti orchestra", "nach fortissimo und subito piano muss Luft sein", "da, wo cresciendo steckt, weniger" - dem Laien ist völlig unverständlich, was der Mann auf der Bühne von sich gibt. Selbstverständlich wissen die Musiker, die um ihn versammelt sind, was sich hinter diesen Anweisungen verbirgt. Riccardo Sahiti gestikuliert heftig mit den Händen, stampft mit den Füßen auf den Holzboden und summt vor sich hin. Dann wieder wird es lauter: "Tatta, tata, tatata ..." Die Tata-Tatas variieren, es folgen Töne, die sich mit "Schschsch" wohl passend umschreiben lassen. Die Musiker jedenfalls verstehen ihren Chef.


Dirigent Riccardo M Sahiti bei der Probe

Orchesterprobe im Clara-Schumann-Saal im Philanthropin: Die Vorbereitengen auf das Konzert am Sonntag laufen auf Hochtouren. Nach tagelangem, intensivem Zusammenspiel wird das Roma und Sinti Streichorchester sein Gründungskonzert geben. So etwas will gut vorbereitet sein. Nicht, dass es den 20 Frauen und Männern an öffentlichen Auftritten mangeln würde. Durchaus nicht. Sie sind alle professionelle Musiker. Aber in dieser Konstellation, nämlich als Roma und Sinti Streichorchester, wird es der erste Auftritt sein. Herausragend ist sowohl die Zusammensetzung des Ensembles als auch das Programm.


Vor mehr als einem Jahr wurde in Frankfurt der Philharmonische Verein der Sinti und Roma gegründet, aus dessen Mitgliedern sich das Streichorchester zusammensetzt. "Stehgeiger und leichte Unterhaltung - wir wollen, dass in den Köpfen nicht diese Vorstellung vorherrscht", erläutert in der Probenpause Orchester- und Gründungsmitglied Lyubomir Aleksandrovic.

Das Vorurteil über "Zigeunermusik" zu durchbrechen ist also ein Motiv für das ehrgeizige Projekt. Was aber nicht heißt, dass es kein Charakteristikum in der Musik dieser Volksgruppen gäbe. Es sei in Fachkreisen, wie Aleksandrovic erläutert, als "Zigeunertonleiter" bekannt. "Unsere Musik besteht aus Ganztönen, es gibt keinen Halbtonabstand."

Die Idee für ein Orchester, das sich der Musik der Sinti und Roma annimmt, schwirrte lange in den Köpfen der in Frankfurt und Umgebung lebenden Musiker, die selbst diesen Volksgruppen angehören. Jeder sei mit diesem Gedanken schwanger gegangen, erzählt Aleksandrovic.

Den Stein ins Rollen brachte schließlich Riccardo Sahiti. Der 41-jährige ist Dirigent, stammt aus Jugoslawien, lebt seit mehr als zehn Jahren in Frankfurt und leitet das Orchester. "Wir werden vor allem Stücke von zeitgenössischen Komponisten darbieten, die entweder selbst Sinti oder Roma sind oder von diesen beeinflusst wurden", kündigt Sahiti an. "Mozart spielt jeder - können wir natürlich auch, wir wollen aber etwas anderes präsentieren, sagt Aleksandrovic. Ein weiteres Ziel des Vereins und damit auch des Ensembles sei es, die vergessene Musik wieder bekannt zu machen. Musikalischen Nachwuchs zu fördern und Gruppen die Gelegenheit öffentlicher Auftritte ermöglichen, ist ebenfalls vorgesehen.

Darüber, dass das musikalische Erbe der Sinti und Rom gepflegt, gefördert und präsentiert werden soll, sind sich Dirigent Sahiti und Geiger Aleksandrovic - beide im Vereinsvorstand aktiv - einig. Ob das von Sahiti anvisierte Ziel, in Frankfurt ein Philharmonieorchester zu etablieren, das sich allein aus Sinti und Roma zusammensetzt, realisierbar und letztlich auch sinnvoll ist, stellt Aleksandrovic hingegen in Frage.

Unterstützt wird der Verein unter anderem vom Förderverein Roma e.V, dem Amt für multikulturelle Angelegenheiten und vom Zentralrat der Sinti und Roma.

Das Gründungskonzert des Roma und Sinti Streichorchesters findet am morgigen Sonntag in
Dr. Hoch`Konservatorium, Hebelstraße 15-19 (Philanthropin) statt. Beginn ist um 17 Uhr. Auf dem Programm stehen unter anderem Werke der Komponisten Ivo Csampai, Stanko Sepic, Robert Fuchs, Miklos Rosza, Robert Lakatos, Nino Rota und Leo Weiner.
Zudem wird das Roby Lakatod Ensemble ein Gastspiel geben.


Frankfurter Allgemeine Zeitung
Seite 74 / Freitag, 22. Februar 2002, Nr.45
Kultur

Klassik gegen das Stehgeiger-Klischee
Sinti und Roma stellen Verein vor

Der Philharmonische Verein der Sinti und Roma hat sich gestern zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt. Ziel des Vereins ist die Pflege der klassischen Musik dieser Volksgruppe. Dazu möchten die Mitglieder verschiedene Ensembles bilden, deren Repertoire auch andere klassische Kompositionen umfassen soll.
Die 14 Mitglieder des Vereins sind Berufsmusiker mit akademischer Ausbildung; der Vorsitzende Riccardo Sahiti dirigierte bereits mehrere, Orchester im In-und Ausland. Nach Angaben des Vereinssprechers Ljubomir Aleksandrovic gibt es zwar viele Musikgruppen, in denen ausschließlich Sinti und Roma musizieren, diese würden aber vor allem Folkloremusik spielen. Davon und vom Klischee des "Stehgeigers" möchte man sich abgrenzen und ihm die ernste Musik entgegensetzen. Die Musik der Sinti und Roma hat nach Einschätzung von Aleksandrovic bedeutende Einflüsse auf die Klassik gehabt, was sich daran zeige, daß es in vielen Werken "die Rolle des Zigeuners" gebe. Durch die ständige Vertreibung der Ethnie habe deren Musik die meisten europäischen Kulturen beeinflußt. In fast allen Orchestern fänden sich Sinti oder Roma.
Die Frankfurter Gruppe sei weltweit der einzige philharmonische Verein von Sinti und Roma, sagte Sahiti bei der Vorstellung. Bereits im Mai des vergangenen Jahres hätten sich die Mitglieder des Vorstands in das Vereinsregister der Stadt eingetragen, aus organisatorischen Gründen sei man aber erst jetzt an die Öffentlichkeit getreten. Im Oktober möchten die Musiker erstmals bei einem eigenen Konzert gemeinsam auftreten.
bren.