EU-Projekt "Roma und Sinte durch Selbstorganisation zu Beschäftigung und Existenzsicherung",
Teilprojekt Frankfurt am Main, "Qualifizierung, Orientierung und Beschäftigung


Projekt
Qualifizierung, Orientierung und Beschäftigung (Juni 2003)
¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯

Beschreibung

Der Förderverein Roma leistet seit 1992 pädagogische Arbeit mit ausländischen Roma-Kindern und -Jugendlichen. Es ist festzustellen, dass die Mehrheit der Jugendlichen keine abgeschlossene Schul- oder Berufsausbildung haben und somit auf dem Arbeitsmarkt völlig chancenlos bleiben. Eine Integration in herkömmliche betrieblich oder überbetriebliche Ausbildungs- oder Qualifizierungsgänge ist in der Regel erfolglos, da die Angebote die speziellen Fähigkeiten der Jugendlichen vernachlässigen, die Eingangsvoraussetzungen seitens der Betroffenen nicht erfüllt werden oder schlicht kein Zugang bzw. keine Kommunikation und Vermittlung existiert.
Das Projekt "Qualifizierung, Orientierung und Beschäftigung" findet in Kooperation mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit, dem EU-Programm "Equal", dem Förderverein Roma sowie - als Kofinanzier - dem Jugend- und Sozialamt Frankfurt am Main statt. Die Aktivitäten werden vom Amt für multikulturelle Angelegenheiten und dem Dezernenten für Integration der Stadt Frankfurt am Main, Dr. Magen, unterstützt. Neben Frankfurt am Main arbeiten gleiche Initiativen in Berlin und Aachen. Bis Herbst 2003 werden weitere Partner aus Griechenland, Ungarn, Macedonien und Tschechien teilnehmen.
Die Teilnahme in Frankfurt am Main beinhaltet für den Zeitraum Juni 2003 bis Juni 2005 die Absolvierung eines Kurssystems (Computer, Handelslehre, Vorbereitung auf den Führerschein), eine schulische Begleitung mit dem Ziel des Hauptschulabschlusses sowie die Aneignung berufspraktischer Kenntnisse durch entsprechende Praktika (Schreinerei, Innenausbau, KFZ, Verkauf, Mediation, Hauswirtschaft, Gärtnerei usw.).
Dieses Angebot stellt eine Ergänzung zur Tätigkeit innerhalb der Kindertagesstätte "Schaworalle" und dem ihr angeschlossenen Schulprojekt dar. So besteht die Möglichkeit, speziell mit den Jungen und Mädchen, die ab dem 15. Lebensjahr keine Betreuung mehr erfahren, allerdings "Schaworalle" oder die Beratungsstelle des Vereins nach wie vor als ihren einzigen Anlaufpunkt sehen, eine gezielte und speziell abgestimmte berufliche Perspektive unter Berücksichtigung der persönlichen Leistungsfähigkeit zu entwickeln.

Das Projekt Ausbildung und Beschäftigung beabsichtigt auch, den Teufelskreis von mangelnder Qualifikation, Arbeitslosigkeit und Straffälligkeit zu durchbrechen und eine adäquate Alternative in den Bereichen schulische und berufliche Bildung zu schaffen. Es wendet sich so an eine Personengruppe, die in die Lage versetzt würde, für ihre eigene Existenz und die der angeschlossenen Familienmitglieder zu sorgen.

Ein weiterer Effekt wäre die Vernetzung, der Austausch und die Erarbeitung von exemplarischen Erfahrungen, die nach Reflexion und notwendiger Korrektur auch auf regionaler, bundesweiter und internationaler Ebene dokumentiert werden könnten.

Durchführung

Das Projekt wendet sich an 15 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 16 und 23 Jahren, vorwiegend Roma aus Rumänien, die teilweise bereits seit über zehn Jahren in Frankfurt am Main leben und deren Aufenthaltstitel von Befugnis bis Grenzübertrittsbescheinigung reicht.
Der Projektrahmen umfasst ein Kurssystem, Schulbesuch und Praktika gem. dem Wochenplan.

Kurssystem:

Der Förderverein Roma e.V. beschäftigt in den Sektoren Computer, Führerschein und Handelslehre Fachpersonal, d. h. einen Handelslehrer und einen Computerfachmann, die innerhalb der Räume der Kita "Schaworalle" adäquate Kurse anbieten.

Schulbesuch:
Extern ergänzt sich das Angebot durch einen ausschließlich von Roma-Jugendlichen besuchten Kurs zur Erlangung des Hauptschulabschlusses bzw. einem Alphabetisierungskurs, durchgeführt von der Lehrerkooperative gem. dem Stundenplan.

Praktika:
Im praktischen Sektor besteht die Absicht, den Jugendlichen in verschiedenen Bereichen durch die Wahrnehmung von Praktika eine Orientierung im Sinne der inhaltlichen und formalen Organisation von Erwerbsarbeit zu geben. Diese Orientierungsphase dient darüber hinaus zur Konkretisierung von Berufs- bzw. Ausbildungswünschen. Die Praktikumsstellen können über trägereigene Vermittlung oder über Kontakte durch die Gesellschaft für Jugendarbeit (gjb) zustande kommen. In letzterem Fall schlägt der Förderverein in Absprache mit den Jugendlichen vor, welche Personen in welchem Bereich in Form von Praktika eine berufliche Orientierung erfahren. Die Ausrichtung an den Fähigkeiten und Fertigkeiten der jungen Roma sowie an deren individueller Interessenslage als auch den traditionellen Hintergründen beschreiben die Voraussetzung für die Initiative. Die vorgeschlagenen Bereiche umfassen derzeit unter anderem Hauswirtschaft, KFZ-Bereich, Verkauf, Friseur, Dolmetscher/Mediation, Erzieherin, Bedienung, Hotelbereich und Gärtnerei.
Der Förderverein Roma wird insbesondere die Kenntnisse im sozialpädagogischen Bereich durch seine Vermittlungsfunktion und sein Erfahrungspotential in das Projekt einbringen. Ein Projekt im Sektor Berufsorientierung für Roma-Jugendliche kann nur dann erfolgreich sein, wenn die Inhalte die Betroffenen überzeugen. Hierzu gehören neben den in Eigenverantwortung gemeinsam entwickelten Qualifikations- und Beschäftigungsangeboten vor allem die Kommunikation mit und die Begleitung von den Jugendlichen und den Eltern als auch die Beratung und enge Kooperation mit externen Partnern.

Insbesondere sind in diesem Zusammenhang Fragen
- der individuellen Orientierung,
- der Motivation,
- der Methodik und Didaktik,
- des persönlichen Kenntnisstandes,
- der individuellen Perspektive,
- der sozialen Situation und
- gegebenenfalls der persönlichen Konfliktbewältigung
zu thematisieren.

Kurze Zusammenfassung

Die langjährige Erfahrungen des Förderverein Roma in den Bereichen Beratung, Schule und Ausbildung und das ihm entgegengebrachte Vertrauen seitens der Roma-Flüchtlinge bilden die Grundlage des Projektes.
Die Kooperation mit den lokalen Beschäftigungsträgern, -vermittlern und Ausbildern garantiert darüber hinaus neben dem eigenen know how die fachgerechte und professionelle Umsetzung der einzelnen Projekte.
Schließlich liegt die Zielsetzung des Projektes im Engagement gegen Rassismus, Ausgrenzung und Chancenlosigkeit, mit der speziell Roma-Jugendliche im Bereich Schule, Ausbildung und Beruf konfrontiert werden. Es legt gleichzeitig Wert darauf, Vorbehalte, Informationsdefizite und Zugangschwierigkeiten bei den Jugendlichen und deren Familien abzubauen, Akzeptanz zu erfahren und Bildung als unmittelbaren Baustein zu Verbesserung der eigenen Situation zu begreifen.


(Frankfurt am Main, den 01.06.2003)