Kundgebung anlässlich des 77. Jahrestages der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz (20.01.2022)



Der Förderverein Roma erinnert an den 80. Jahrestag der Wannseekonferenz, auf der Militär, Verwaltung und Politik mit menschenverachtendem Pragmatismus die industrielle Vernichtung von 11 Millionen europäischen Juden plante. Das unvergleichbare Menschheitsverbrechen, der Zivilisationsbruch waren nur möglich, weil die erschlagende Mehrheit der Deutschen Ziele und Umsetzung teilte, sich aktiv an Verfolgung und Mord beteiligte oder dies wider besseres Wissen zuließ.

In den Vernichtungslagern fand die fabrikmäßige Tötung der Menschen durch Gas statt. Der Förderverein Roma veranstaltet zum Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz am 28.1.2022 um 18.00 Uhr eine Kundgebung am ehemaligen Stadtgesundheitsamt in der Braubachstraße8-22 in 60311 Frankfurt am Main.

Während der NS-Zeit wurden über eine halbe Million Roma und Sinti ermordet. Nach der akribischen Erfassung durch „Rasseforscher“ in den 30erJahren erfolgte die Inhaftierung, Deportation und schließlich die Vernichtung der Roma und Sinti. Allein in Auschwitz wurden in einer einzigen Nacht über 4000 Roma und Sinti vergast.

Der Mediziner Robert Ritter und die Psychologin Eva Justin waren die beiden maßgeblichen Protagonisten dieser „rassenbiologischen Untersuchungen“. Beide arbeiteten nach 1945 im Stadtgesundheitsamt bzw. dem Jugend- und Sozialamt der Stadt Frankfurt. Weder Justin noch Ritter wurden für ihre Verbrechen zur Verantwortung gezogen. Im Stadtgesundheitsamt befand sich während der NS-Zeit die „Erbkartei“, die u. a. Grundlage für die spätere Deportation und Vernichtung war.

Am 27.1.2000 brachten die Roma-Union Frankfurt, der Förderverein Roma und verschiedene Einzelpersonen eine Gedenktafel, die ausschließlich von privaten Unterstützern finanziert wurde, gegen den langjährigen Widerstand des Kulturdezernats, des Instituts für Stadtgeschichte und der Mehrheit des Ortsbeirats am Stadtgesundheitsamt an. Sie erinnert an die Verbrechen, nennt die Täter und fordert Verantwortung ein.

Der Förderverein Roma weist nachdrücklich auf die Zunahme von Repressalien, Verunglimpfungen und Gewalt gegenüber Roma und Sinti hin. Menschen- und Bürgerrechte der größten europäischen Minderheit werden missachtet. Die vorherrschende Stimmung zeigt mehr denn je, dass alle Elemente des jahrhundertealten Rassismus innerhalb kürzester Zeit abrufbar und politikfähig sind, auf breite gesellschaftliche Zustimmung stoßen und eine tödliche Gefahr für alle Roma und Sinti darstellen.

Ffm., den 20.1.2022