Literatur
                                                                                                                                                                                                                    

Literatur Ausstellung Dokumentation
 

 

Martin Holler, Der nationalsozialistische Völkermord an den Roma in der besetzten Sowjetunion (1941–1944), 2009

   

Roland Flade: Dieselben Augen, dieselbe Seele. Theresia Winterstein und die Verfolgung einer Würzburger Sinti-Familie im »Dritten Reich«,  Würzburg 2008

 

Ausstellung
Frankfurt–Auschwitz

(Dokumentation)

 

Film-Doku "Seako ges" (Oktober 2006)

 

     Die vergessenen Europäer
     Kunst der Roma / Roma in der Kunst
     Ein Projekt des ROM e.V, Köln
     in  Kooperation mit dem Kölnischen
     Stadtmuseum
 

           

 

 

 

 

Holler, Martin

Martin Holler, Der nationalsozialistische Völkermord an den Roma in der besetzten Sowjetunion (1941–1944). Gutachten für das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma, 2009
ISBN: 978-3-929446-25-8 Umfang/Preis: 142 S.; € 10,00

Für H-Soz-u-Kult rezensiert von:
Ulrich Opfermann, Aktives Museum Südwestfalen, Siegen

Im Forschungsdiskurs wie in der erinnerungs- und opferpolitischen Diskussion zur Verfolgungsgeschichte der europäischen Roma im Nationalsozialismus gibt es die Kontroverse, ob sich wie im Falle der jüdischen Minderheit von einem Genozid sprechen lasse. Die Diskussionsbeiträge reichen von strikter Ablehnung (Yehuda Bauer, Guenter Lewy) über eingeschränkte Zustimmung (Michael Zimmermann) bis hin zu entschiedener Unterstützung (Wolfgang Wippermann).[1] Den sowjetischen Roma kommt dabei besondere Bedeutung zu. Die nationalsozialistische Rassenpolitik trat mit dem Krieg gegen die Sowjetunion in die Phase ihrer äußersten Radikalisierung ein, der ein bislang nicht annähernd schätzbarer, sicher aber erheblicher Anteil der sowjetischen Minderheit in den besetzten Gebieten zum Opfer fiel, worauf wichtige Vorbehalte gegenüber der Genozid-These sich beziehen. Die Anordnungen seien widersprüchlich gewesen, der Hauptgrund für die Verfolgung und Vernichtung sei Spionagefurcht gegenüber schwer kontrollierbaren, da „wandernden“ und normativ und sozial nicht erreichbaren „Zigeunern“ gewesen. Rassismus habe eine nur „untergeordnete Rolle“ gespielt. Die Verfolgungspraxis sei nicht durch die Vorstellung einer unerwünschten „rassischen“ Zugehörigkeit, sondern durch eine unerwünschte „asoziale“ Lebensweise motiviert gewesen. Sesshaftigkeit und soziale Anpassung hätten vor Verfolgung und Vernichtung geschützt.[2]

Eine wesentliche Schwäche bei der Zustimmung oder der Ablehnung zu diesen Auffassungen liegt in mangelnder Empirie. Die schriftlichen Quellen sind nur insoweit erschlossen, als es sich um deutsche Überrestquellen in deutschen Archiven handelt. Sowjetische Beutequellen deutscher Provenienz und Quellen sowjetischer Provenienz wurden kaum ausgewertet. Die ältere sowjetische und die gegenwärtige Literatur zur Geschichte der Roma wurden in der deutschen Forschung bislang kaum rezipiert.[3]

Martin Holler legt nun eine erste Untersuchung vor, die eben darin ihre hauptsächliche Basis hat. Er recherchierte in der umfangreichen Überlieferung der bereits 1942 eingerichteten „Außerordentlichen Staatskommission“ zur Ermittlung der während der Okkupation begangenen Verbrechen und ergänzte dies um „Stichproben“ aus weiteren Beständen des Moskauer Archivs der Russischen Föderation sowie aus zehn ostukrainischen und Krim-Archiven. Er konsultierte zudem die sowjetische und postsowjetische Literatur umfassend und sprach außerdem mit Angehörigen der Erlebnisgeneration. Als Bearbeitungsraum wählte er die militärisch verwalteten Gebiete, da über sie bisher die geringsten Kenntnisse vorliegen würden.

Holler betrachtet die Ebene der Normsetzung und gleicht sie „mit der praktischen Realität vor Ort“ ab (S. 42). Sein Anspruch ist, „ein erstes verbindliches Urteil über Verlauf, Ausmaß und Systematik der nationalsozialistischen Roma-Vernichtung in den Kerngebieten der deutsch besetzten Sowjetunion zu fällen“ (S. 27). Methodisch setzt er vor allem an den Teilregionen an, in denen Roma oft bereits seit der Zarenzeit ortsfest lebten. Die ältere Vorgeschichte sei laut Holler einzubeziehen, um der Gefahr zu entgehen, „ideologisch geprägte ‚Zigeunerbilder‘ unreflektiert zu übernehmen“ (S. 20). Damit spricht er den in der Literatur nach wie vor gegenwärtigen Mythos vom kollektiven ewigen „Nomaden“ an.[4] Dem setzt er die Geschichte der Sesshaftigkeit von Roma und den Tatbestand entgegen, dass angebliche Nomaden häufig und nicht anders als ebenfalls dem Anschein nach „vagabundierende“ Juden Kriegsflüchtlinge waren.

Im Smolensker Gebiet lag eine Reihe „nationaler Zigeunerkolchosen“ mit teils ethnisch geschlossener Roma-Bauernbevölkerung, teils gemischter Bewohnerschaft. Die von Holler untersuchten sowjetischen Quellen belegen, dass Angehörige deutscher Militäreinheiten dort anhand von Einwohnerlisten und nach „rassischem“ Augenscheinurteil im Frühjahr 1942 systematisch die Roma-Bevölkerung erfassten, festnahmen und ermordeten. Die Opfer waren Kolchosbauern, Lehrerinnen, Erzieherinnen, Männer, Frauen und Kinder. Der Bericht für die Zentrale Staatskommission stellte später fest, „Juden und Zigeuner wurden vollständig und überall vernichtet“ (S. 59). Holler nennt zahlreiche Beispiele systematisch organisierter Mordaktionen gegen die Bewohner von dörflichen und städtischen Roma-Quartieren. Die Vernichtung sei mitunter nicht nur ebenso zielgerichtet wie bei Juden, sondern „in einem einheitlichen Schritt geplant und vorbereitet“ (S. 60) und schließlich umgesetzt worden. Die „Parallelität der Roma- und Judenvernichtung“ habe miteinschließen können, dass die deutschen Mordplaner wie bei der jüdischen Bevölkerung „Umsiedlungen“ vorgetäuscht hätten, um möglichst ausnahmslos vernichten zu können. Die Publikation enthält die Abbildung eines entsprechenden Plakats aus dem Gebiet Černigov vom Juni 1942. Dem Aufruf zu einer Meldung zur Umsiedlung folgte dort ein dreitägiges Massaker, dem mindestens 2.000 Roma zum Opfer fielen. Anschließend wurde systematisch nach den bis dahin verschont Gebliebenen in den ländlichen Regionen gefahndet. Ein großer Teil der assimilierten Roma arbeitete in ethnisch-gemischten Kolchosen, wo man versuchte, sie mit Hilfe von Kollaborateuren aufzuspüren.

Ausführlich wendet sich Holler der Krim und dem Nordkaukasus zu, dem Befehlsbereich von Otto Ohlendorf, dem Leiter der Einsatzgruppe D. Es ist in diesem Fall in der Literatur unumstritten, dass die Zigeunerverfolgung ebenso umfassend angelegt war wie die der Juden.[5] Sie setzte früh – schon 1941 – ein und verlief synchron mit der Vernichtungsaktivität gegen Juden und Krimtschaken.[6] Die Roma-Bevölkerung war ganz überwiegend lange sesshaft und „sehr stark tatarisch assimiliert“ (S. 83). Ohlendorfs Nürnberger Prozessaussagen legten dazu das rassistisch-antiziganistische Motiv frei, eine Deutung, die in diesem Punkt auch Lewy vertritt. Auch auf der Krim versuchten die Besatzer mit Vortäuschungen („Umsiedlung“, „Ausgabe von Brotrationen“) die völlige Vernichtung der Roma zu erreichen. Was nur bei etwa zwei Dritteln gelang, weil der hohe Grad an Assimilation und die Verflechtung mit der tatarischen Mehrheitsbevölkerung und deren solidarische Hilfe viele dieser moslemischen Roma vor der Entdeckung als „Zigeuner“ schützte. Zwei Drittel bedeutet andererseits, dass die Opferzahlen erheblich über den bislang angenommenen liegen.[7]

Zum Operationsgebiet der Einsatzgruppe D gehörte der 1942 für nur etwa ein halbes Jahr besetzte Nordkaukasus, ein Gebiet mit größerer und weitgehend sesshafter Roma-Bevölkerung. Auch wenn Holler der Zugang zu einem Teil der Archivbestände dort verwehrt wurde, sei dennoch festzustellen gewesen, dass die kurze Zeit der Besetzung trotz des bald einsetzenden Drucks durch die Rote Armee von den Deutschen für das Aufspüren und Sammeln mittels „Zigeunerlisten“ und durch das Vorspiegeln einer „Aussiedlung“ genutzt wurde. Die frühe Befreiung rettete einen großen Teil der Bedrohten.

Holler zitiert immer wieder aus Berichten von Tatzeugen. Es fällt die exzessive, ungewöhnlich brutale Mordpraxis von SS-, Polizei-, Wehrmachts- und Hilfsverbandsangehörigen gegenüber unterschiedslos allen als „Zigeuner“ Gewerteten auf, wie sie sich in gleicher Weise gegen die jüdische Minderheit vorfindet. Hollers Fazit lautet, dass für den von ihm untersuchten Raum „das bislang vorherrschende Forschungsbild [...] grundlegend zu revidieren“ sei (S. 108). Der Vernichtungsfeldzug gegen die sowjetischen „Zigeuner“ in den militärisch verwalteten Gebieten habe einen „systematischen und intentionalen Charakter“ gehabt. Er sei grundlegend rasseideologisch motiviert, gegen Roma als Gesamtheit gerichtet gewesen und auch methodisch vergleichbar der Vernichtung der jüdischen Minderheit ins Werk gesetzt worden.

Bereits Hollers bei aller Ausführlichkeit doch stichprobenhafte Recherche kann die Dichotomie zwischen grundsätzlich von Vernichtung bedrohten „Wanderzigeunern“ und geschützter ortsfester Wohnbevölkerung auflösen, die eine starke Stütze des Konstrukts von der Unvergleichlichkeit des Genozids an der jüdischen Minderheit ist. Es deutet sich an, dass die Gegenthese bei weiterer Erschließung der Bestände der postsowjetischen Archive sich empirisch verifizieren lässt. Holler hat eine Türe geöffnet. Weitere Recherchen in den Archiven vom Baltikum bis zur Krim müssen folgen.

Anmerkungen:
[1] Yehuda Bauer, Zigeuner, in: Yisrael Gutman (Hrsg.), Enzyklopädie des Holocaust. Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden, Bd. III, Berlin 1993, S. 1630-1634, hier S. 1634; Guenter Lewy, „Rückkehr nicht erwünscht“. Die Verfolgung der Zigeuner im Dritten Reich, München 2001, S. 216f.; Michael Zimmermann, Rassenutopie und Genozid. Die nationalsozialistische „Lösung der Zigeunerfrage“, Hamburg 1996; Michael Zimmermann, „Rückkehr nicht erwünscht“. Guenter Lewys Gesamtdarstellung der Zigeunerverfolgung im Dritten Reich, in: Newsletter – Informationen des Fritz Bauer Instituts, Herbst 2001, Nr. 21, S. 50-53, online verfügbar unter <www.fritz-bauer-institut.de/rezensionen/nl21/zimmermann.htm> (02.12.2009); Wolfgang Wippermann, „Auserwählte Opfer“? Shoah und Porrajmos im Vergleich. Eine Kontroverse, Berlin 2005.
[2] Lewy, „Rückkehr nicht erwünscht“, S. 216f.
[3] Christan Gerlach konsultierte Beutequellen in russischen und weißrussischen Archiven. Zu neuen Ergebnissen kam er in seinem kurzen Abschnitt über die Verfolgung der Roma nicht: ders., Kalkulierte Morde. Die deutsche Wirtschafts- und Vernichtungspolitik in Weißrußland 1941 bis 1944, Hamburg 1999, S. 1063-1067.
[4] Siehe z.B. Lewys Vorstellung kollektiv gegebener Eigenschaften, darunter „ihre nomadische Lebensweise.“ Darin seien „die Wurzeln der Ablehnung“ aufzufinden: Lewy, „Rückkehr nicht erwünscht“, S. 27ff.
[5] Siehe z.B. Lewy, „Rückkehr nicht erwünscht“, S. 206.
[6] Tatarisch assimilierte Juden sephardischer Herkunft.
[7] Vgl. Zimmermann, Rassenutopie, S. 263.

 

     

 

 

Roland Flade

Roland Flade, Dieselben Augen, dieselbe Seele. Theresia Winterstein und die Verfolgung einer Würzburger Sinti-Familie im »Dritten Reich«. Verlag Ferdinand Schöningh, Würzburg 2008
(Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg, Band 14), 226 S., 17,80 Euro


»Zigeuner« und »Zigeunermischling«

Birgit Seemann
in Tribüne, Zeitschrift zum Verständnis des Judentums, Heft 192, 2009

.... Der süddeutschen Sintifamilie Winterstein hat Roland Flade (Jahrgang 1951), Journalist und Verfasser zahlreicher Studien zur jüdischen Geschichte in Würzburg und Region, ein schriftliches Denkmal gesetzt. Dass die Publikation als Band 14 der Reihe des Stadtarchivs Würzburg erschien, versehen mit einem längeren Geleitwort des Würzburger Oberbürgermeisters Georg Rosenthal, lässt hoffen, dass die Wintersteins inzwischen (endlich) als Teil der bayerisch-unterfränkischen Bevölkerung wahrgenommen werden. Der Autor führt zunächst in die Geschichte der Sinti (seit mindestens 600 Jahren in Deutschland ansässig) und Roma (seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts von Südosteuropa aus zugewandert) ein. Auf die anfangs positive Aufnahme der Sinti als gefragte Handwerker und Künstler folgten Jahrhunderte eines religiös legitimierten Vertreibungs-Antiziganismus, schließlich eines rassistischen Antiziganismus.

Dessen nationalsozialistische Zuspitzung erfuhr Theresia Seible, geb. Winterstein (1921-2007), Tänzerin und Sängerin am Würzburger Stadttheater, am eigenen Leib: Von NS-Ärzten als »Zigeunermischling« klassifiziert und damit zur Zwangssterilisierung freigegeben, wurde sie >unerlaubt< schwanger. Der NS-behördlich angedrohten Zwangsabtreibung entging sie nur, weil sie Zwillinge erwartete, die sie sofort nach deren Geburt am 3. März 1943 der Würzburger Universitätsklinik überlassen musste. Dort erlitten beide Säuglinge mit hoher Wahrscheinlichkeit medizinische Menschenversuche, die die kleine Rolanda nicht überlebte, während Mutter und Großmutter ihr Schwesterchen Rita gerade noch retten konnten. Am 4. August 1943 machte ein ärztlicher Eingriff in der Würzburger Universitäts-Frauenklinik Theresia Winterstein für immer unfruchtbar, zugleich war sie Zeugin brutaler Zwangsabtreibungen. Zwangssterilisiert wurden auch ihr Vater Johann Winterstein (1898-1972) und ihr als Sinto aus der Wehrmacht entlassener Bruder Kurt Spindler (1920-2007). Nur durch die Sterilisation und nachfolgende Trauung mit dem »rassereinen Zigeuner« Gabriel Reinhardt (1913-1979), dem Vater ihrer Zwillingstöchter, entging Theresia Winterstein der Deportation, die viele ihrer Verwandten traf. Nach der Befreiung hielt die Ehe den vielfachen Belastungen nicht stand und wurde 1947 annulliert. Auch eine zweite Ehe mit dem US-Soldaten Emanuel Seible, der ihre Tochter Rita adoptierte, scheiterte.

Rita Winterstein adopt. Seible - das Trauma der NS-Zeit band Mutter und Tochter zeitlebens fast symbiotisch aneinander - heiratete ebenfalls einen in Würzburg stationierten US-Soldaten, George Prigmore, und wurde Mutter zweier Kinder. Auch sie trennte sich später von ihrem Ehemann und kehrte aus den USA nach Deutschland zurück. Dort bewältigten Mutter und Tochter gemeinsam das Drama der den NS-Verfolgten mit Roma- und Sintiherkunft verweigerten Entschädigung, dem Roland Flade mit »Karrieren und Kampf um Entschädigung: Täter und Opfer nach 1945« ein eigenes Kapitel widmete. Um das Tabu der Zwangssterilisierung zu brechen und Sintezzas mit ihren Kindern zum Besuch der von ihnen seit der NS-Zeit gefürchteten medizinischen Einrichtungen zu ermutigen, gründete Theresia Winterstein Anfang der 1980er Jahre die erste Frauenorganisation der Sinti, der sich auch Nicht-Sintezzas, etwa Sozialarbeiterinnen, anschlossen. Als deren Präsidentin konnte sie als Sachverständige an Gerichtsverhandlungen teilnehmen. Auch ihre Tochter Rita Prigmore, die als »Baby Survivor« skrupelloser medizinischer Menschenversuche körperliche und seelische Folgeschäden davon trug und in ihrem schulischen und beruflichen Fortkommen beeinträchtigt blieb, gewann schließlich den langen Kampf um eine zumindest materielle Entschädigung. Eine späte öffentliche Würdigung der Leidensgeschichte der Wintersteins markierte am 11. Mai 2005 - in Anwesenheit der damaligen Oberbürgermeisterin Dr. Pia Beckmann - die Einweihung eines Denkmals nahe des Doms für die ermordeten Würzburger Sinti und Roma. Im gleichen Jahr fand am damaligen NS-Tatort, der Würzburger Universitäts-Frauenklinik, im Rahmen des 200-jährigen Krankenhausjubiläums ein Symposium über die schuldhafte NS-Verstrickung der Gynäkologie statt, wo auch die Verbrechen an Theresia Winterstein und ihren Kindern zur Sprache kamen. Für einige der Ermordeten der Familie Winterstein hat der Künstler Günter Demnig inzwischen Stolpersteine in Würzburg verlegt: für Theresia Wintersteins Onkel Franz Winterstein (1909-1942), für ihre Cousine Anneliese Winterstein (1924-1944) und deren kleine Söhne Karl-Heinz (1940-1944) und Waldemar (1943-1944), für ihre Tochter und Rita Prigmores Schwester Rolanda Winterstein mit dem Vermerk: »geboren am 03.03.1943 in Würzburg — ermordet am 11.4.1943 in der Universitäts-Klinik Würzburg« (www.stolpersteine-wuerzburg.de, Abfrage v. 14.09.2009).
Nach einem mit »starkem Selbstbehauptungswillen und großem Mut« (S. 180) geführten Leben starb die 85-jährige Theresia Winterstein am 1. April 2007, bis zuletzt liebevoll betreut von ihrer überlebenden Zwillingstochter. Ohne Rita Prigmore, die dem Gadscho (Nicht-Sinto) Roland Flade Zugang zum Familienarchiv und Antworten auf schmerzliche Fragen gewährte, wäre dieses Buch nicht entstanden.

 

     

 

 

 

 

Die vergessenen Europäer. Kunst der Roma. Roma in der Kunst

Die Kölner Ausstellung »Die vergessenen Europäer: Kunst der Roma - Roma in der Kunst« wurde am 5. Dezember 2008 im Kölnischen Stadtmuseum eröffnet und dauerte bis zum 1. März 2009. Der Katalog erscheint nachträglich am Ende des Jahres 2009. Er enthält zwei Teile. Teil Eins dokumentiert die »Zeitgenössische Kunst und Poesie von Roma und NichtRoma«, wie sie im Obergeschoss des Kölnischen Stadtmuseums (Alte Wache) zu sehen war. Teil Zwei zeigt das »Bild der Zigeuner in der europäischen Kunst seit dem 15. Jahrhundert«, dem der Ausstellungsraum im Erdgeschoss der Alten Wache gewidmet war.
Jeder Teil wurde von einer eigenen Vorbereitungsgruppe konzipiert und realisiert. Teil Eins erarbeiteten Eva Ohlow, Harald Klemm, Kaiman Varady, Eusebius Wirdeier und Kurt Holl; Teil Zwei erarbeiteten Stefan Ohlow, Kurt Holl, Prof. Kurt Rössler, Andreas Braune, Max Rest und Doris Schmitz.
In Ausstellung und Katalog wurde die allgemeine Bezeichnung »Roma« für die zeitgenössischen Künstler aus der Minderheit verwandt. Zwar ist ihr Background durchaus verschieden: sie rechnen sich den Gemeinschaften der Gitanos (Gabi Jimenez), Manouches (Thomas F. Fischer), der Sinti (Katarzyna Pollok), der englischen Gypsies (Daniel Baker) und der (ost- und südosteuropäischen) Roma im engeren Sinne zu (Nihad Nino Pusija, Jovan Nikolic, Ruzdija Russo Sejdovic, Bronistawa »Papusza« Wajs). Wir verwenden hier jedoch im Einverständnis mit den Künstlern die Bezeichnung »Roma«, weil sie sich inzwischen in den Dokumenten der EU und UNO für alle Angehörigen der Minderheit durchgesetzt hat. Im übrigen hat auch die Biennale von Venedig 2007 im »Roma-Pavillon« Künstler unterschiedlicher Herkunft vereint, von denen einige ja auch für die Kölner Ausstellung gewonnen werden konnten. Im historischen Teil behielten wir das Wort »Zigeuner« bei, wie es die Quellen gebrauchen.
Die Essays des Katalogs, die uns in serbischer, englischer beziehungsweise amerikanischer Sprache erreichten, haben wir auch in die deutsche Sprache übertragen lassen. Ebenso wurde die Lyrik von Papusza, Jovan Nikolic und Ruzdija Russo Sejdovic aus der polnischen, der serbischen und der Romanes-Muttersprache ins Deutsche übertragen. Die nichtgezeichneten Einführungen zu den einzelnen Kapiteln des historischen Teils stammen von der Katalog-Redaktion des Rom e.V. (Kurt Holl). Die Poesie-Fahnen sind nicht nur in der jeweiligen Muttersprache und in deutscher Übersetzung wiedergegeben, sondern auch in der originalen Schrift. Anmerkungen zu einzelnen Kapiteln oder Bildern sind mit * gekennzeichnet. Sie finden sich im Anhang (Seite 167).
........
Wir wurden bei der Vorbereitung unserer Ausstellung besonders ermutigt und angeregt durch drei hervorragende Ausstellungen des Jahres 2007, die Europäische Roma-Künstler bzw. Darstellungen von »Zigeunern« in der europäischen Geschichte vorstellten: 1. »Attention Tsiganes! Histoire d'un Malentendu« im Musee d'Histoire de la Ville de Luxembourg, 2. »Paradise Lost« im Roma-Pavillon auf der Biennale von Venedig und 3. »Roma und Sinti — »Zigeuner«-Darstellungen der Moderne« in Krems.
Der Katalog kann ab Ende des Jahres 2009 beim Rom e.V. Köln (rom.ev@netcologne.de) und im Kölnischen Stadtmuseum (ksm@museenkoeln.de) zum Preis von 25 Euro bestellt werden.